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Fremde Augen: Die unheimliche App TapTapSee

TapTapSee App Icon

Die Beschreibung der App TapTapSee klingt zu gut um wahr zu sein: „Tippen Sie einfach auf den Bildschirm um ein Foto von etwas aufzunehmen und die App beschreibt das Geschehen auf dem Bild.“ Und tatsächlich, TapTapSee funktioniert erstaunlich zuverlässig und machte in unserem Test 0 Fehler. Der Fotoinhalt wird ca. 10 Sekunden nach dem Schnappschuss, in einem per VoiceOver lesbaren Text, beschrieben. Gerade für blinde und sehbehinderte Menschen ist solch eine Anwendung äußerst wertvoll. Entsprechend großzügig lassen sich die Entwickler die Schnappschüsse bezahlen. 7,99 Euro kosten 100 Bilder. Eine Flatrate gibt es für 9,99 Euro monatlich. Die ersten 20 Shots sind kostenlos.

TapTapSee erkennt beliebige Objekte auf Fotos? Nein, im Hintergrund arbeiten reale Menschen.

TapTapSee erkennt beliebige Objekte auf Fotos? Nein, im Hintergrund arbeiten reale Menschen.

Doch welche Software ist intelligent genug nicht nur Texte und Farben zu erkennen, sondern auch Gegenstände und Personen? Wir wurden skeptisch und suchten in der App-Beschreibung und auf der Entwickler-Website nach weiteren Hinweisen zur Technologie, wurden jedoch nicht fündig. Erst in den Datenschutzrichtlinien fanden wir den Begriff „Crowdsourcing“, der uns schließlich aufhorchen ließ. Nicht etwa eine intelligente Software ist für die fehlerfreie Erkennung verantwortlich, sondern menschliche Intelligenz. Wir machten die Probe aufs Exempel und schickten identische Bilder ein, für die wir unterschiedliche Textbeschreibungen erhielten. Damit war bewiesen, dass sich echte Menschen die Bilder ansehen und die Textbeschreibung abgeben. Damit hätten wir im Grunde kein Problem, wenn die Nutzer darauf hingewiesen werden würden. Stattdessen scheinen die Entwickler aber die Wahrheit verschleiern zu wollen. Kein Wunder, wirkt doch die App bei manueller „Erkennung“ gleich viel weniger cool, innovativ und intelligent. Uns ist der Gedanke jedenfalls unheimlich, dass fremde Menschen sich Bilder aus unseren eigenen vier Wänden ansehen. Auch beim Thema Datenschutz können sich Probleme ergeben, beispielsweise wenn behördliche Dokumente und Briefe abfotografiert werden. Die App sollte daher nur mit Bedacht eingesetzt werden.

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2 Comments

  • Attila Konietzka 25. März 2016 at 16:34

    TapTapSee macht bei mir keine gute Figur. Es erkennt noch nicht einmal mein zugegeben etwas stylisch geratenes Kassetten-CD-Radio, welches ich hier auf dem Regal stehen habe. Die einzige Aussage die ich bekomme ist: „picture 1 is close“. Wenn da wirklich reale Menschen sitzen, die sich die Bilder ansehen, dann kann ich auch gleich jemanden oldstyle analog und direkt fragen, wenn ich etwas noch nie gesehen habe, so schön die ehrenamtliche Arbeit auch ist, aber wenn man icht ganz weltfremd und isoliert aufgewachsen ist, erkennt man die allermeisten Dinge auch selber, durch’s simple Anfassen und Ertasten.

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