Tipps & Tricks

So geht’s: Besserer Empfang mit dem iPhone

Ohne Internet-Verbindung ist man als iPhone-Nutzer aufgeschmissen, denn die meisten Apps und System-Funktionen benötigen einen Online-Zugang. Kaum weniger dramatisch ist eine langsame Mobilfunk-Anbindung via EDGE oder GPRS, denn dank der dann nur noch tröpfchenweise eintrudelnden Datenpakete wird selbst Whatsapp zur Geduldsprobe. Den Versuch Websites aufzurufen spart man sich am besten gleich, sobald das gehasste „E“-Symbol in der oben linken Bildschirmecke erscheint. Mit einigen Tricks kann man den Empfang jedoch verbessern.

Field Test Mode

Die Standard-Empfang-Anzeige des iPhones ist zu ungenau um die Signalstärke zu bewerten

Die Standard-Empfang-Anzeige des iPhones ist zu ungenau um die Signalstärke zu bewerten

Um überprüfen zu können welche Maßnahmen sich positiv oder negativ auf den Empfang eures iPhones auswirken, benötigt ihr den sogenannten Field Test Mode, denn die Standard-Anzeige des Apple-Smartphones, bestehend aus fünf Kreisen, ist für eine Beurteilung nicht genau genug. Der Field Test Mode spuckt dagegen einen exakten Zahlenwert aus, welcher der Dämpfung des Mobilfunk-Signals in der Einheit dBm entspricht. Da es sich nicht um eine Angabe zur Signalstärke selbst handelt, sondern um deren Abschwächung, wird der Wert mit einem Minus dargestellt. Ein Wert von -50 steht hierbei für hervorragenden Empfang. Bei -120 oder mehr ist das Signal nur sehr schwach und die Verbindung droht abzureißen. Innerhalb von Gebäuden sind Werte zwischen -80 und -90 gängig. Hält man das iPhone dabei in der Hand, sinkt der Wert leicht auf -100 und mehr. Je größer also die Zahl hinter dem Minus, desto schlechter der Empfang.

Der Field Test Mode spuckt einen Zahlenwert aus, der sich besser interpretieren lässt.

Der Field Test Mode spuckt einen Zahlenwert aus, der sich besser interpretieren lässt.

Die Zahlenwert-Angabe beruht auf einer logarithmischen Skala. Zeigt euer iPhone also -110 dBm an, ist die Dämpfung 10 Mal größer als bei -100 dBm. Das gleiche gilt umgekehrt: Reduziert sich die Dämpfung von -94 auf -84, also um 10 dBm, ist das Mobilfunksignal 10 Mal so stark wie zuvor. Eine Veränderung um 3 dBm bedeutet, dass sich die Stärke des Signals verdoppelt, bzw. halbiert hat. Beispiel: Ein iPhone mit einer Dämpfung von -90 hat einen doppelt so guten Empfang wie ein iPhone mit einer Dämpfung von -93. Diese Zahlenspiele müssen euch jedoch nicht interessieren, denn eigentlich ist zunächst nur von Bedeutung, ob sich der Empfang durch eine bestimmte Aktion verbessert, oder verschlechtert.

Um in den Field Test Mode zu gelangen muss eine kryptische Zeichenfolge eingegeben werden

Um in den Field Test Mode zu gelangen muss eine kryptische Zeichenfolge eingegeben werden

So gelangt ihr in den Flied Test Mode:

  1. Öffnet die Telefon-App.
  2. Wechselt zum Nummernfeld.
  3. Tippt die Zeichenfolge *3001#12345#* ein.
  4. Drückt auf das grüne Hörer-Symbol.
  5. Fertig.

Damit die Zahlenwert-Anzeige auch dann bestehen bleibt, wenn ihr den Field Test Mode verlasst, geht ihr wie folgt vor:

  1. Haltet die Standby-Taste gedrückt, bis euch das iPhone zum Ausschalten auffordert.
  2. Haltet nun den Home-Button gedrückt bis das iPhone den Field Test Mode verlässt und wieder den Homescreen zeigt.
  3. In der linken oben Bildschirmecke sollte nun immer noch die Dämpfung angezeigt werden.

Leider ändert sich der Anzeigewert nur sehr träge. Um einen neuen Messwert zu erzwingen, kann man aber kurz den Flugmodus aktivieren und gleich wieder deaktivieren.

Zwischen Kreis- und Zahlenanzeige kann man übrigens umschalten, indem man die Kreise, bzw. den Anzeigewert in der Menüleiste antippt. Vorausgesetzt natürlich ihr habt den Field Test Mode wie oben beschrieben aktiviert. Wer die konventionellen 5 Kreise dauerhaft wieder aktivieren will, wechselst nochmals in den Field Test Mode und verlässt diesen (wie jede andere App auch) mit dem Home-Button.

Jetzt habt ihr das notwendige Werkzeug zur Hand um die folgenden Tipps auszuprobieren und zu testen. Nicht alle Hinweise machen für jeden Nutzer Sinn, da die Anforderungen von Anwender zu Anwender verschieden sind.

Schutzhülle abnehmen

Es gibt manche Schutzhüllen, welche den Empfang eines iPhones beeinträchtigen können. Die meisten Polycarbonat und Leder-Cases gehören nicht dazu. Schutzhüllen mit Zusatzakku oder Metall-Elementen sollten aber auf jeden Fall überprüft werden.

  1. Legt dazu das iPhone am besten auf einen Tisch und startet den Field Test Mode.
  2. Aktiviert den Flugmodus und beendet ihn wieder.
  3. Merkt euch den angezeigten Messwert, oder schreibt ihn auf.
  4. Nehmt nun die Hülle des iPhones ab und legt das iPhone genau an der gleichen Stelle des Tisches ab.
  5. Startet den Flugmodus und beendet ihn wieder.
  6. Merkt euch den angezeigten Messwert, oder schreibt ihn auf.
  7. Wiederholt die Prozedur einige Male um eine gewisse Verlässlichkeit der Messwerte zu gewährleisten.

Schwankungen von +/- 1 dBm sind völlig normal und sollten der Schutzhülle nicht angelastet werden. Kristallisieren sich aber deutlichere Unterschiede heraus, spricht einiges dafür, dass das von euch verwendete Case den Empfang beeinträchtigt. Ein weiterer Negativeffekt eines schwachen Mobilfunksignals ist eine deutlich verkürzte Akkulaufzeit, denn das iPhone dreht die Sendeleistung auf, um der Dämpfung entgegenzuwirken. Schlechte Schutzhüllen kosten also Energie.

WLAN darf aktiv bleiben

Gelegentlich liest man im Internet die Behauptung, dass WLAN-Modul würde den 3G- bzw. LTE-Empfang beeinträchtigen. Man solle es daher abschalten. In unseren Tests waren jedoch keine negativen Effekte durch ein aktives WLAN feststellbar. Verwunderlich ist dies nicht, denn WLAN- und Mobilfunknetze funken auf völlig unterschiedlichen Frequenzen.

LTE abschalten

Die kostenlose App Speed Test misst die tatsächliche Download- und Upload-Geschwindigkeit

Die kostenlose App Speed Test misst die tatsächliche Download- und Upload-Geschwindigkeit

Seit dem iPhone 5 beherrschen alle Apple-Smartphones den relativ modernen Mobilfunk-Standard LTE. Dieser verspricht zwar High-Speed-Datenübertragung, wird aber in vielen Tarifen von den Providern absichtlich gedrosselt. Beispielsweise beschränkt die Telekom die LTE-Download-Geschwindigkeit in meinem Mobilfunktarif auf wenig rühmliche 21 Mbit/s. Dies sind Bereiche in denen auch die inzwischen durch HSDPA aufgebohrte UMTS-Technik vorstoßen kann. Während mein iPhone 6 Plus in Test-Messungen via LTE tatsächlich die versprochenen 21 Mbit/s erreicht, sind es im UMTS-Netz nur 3 Mbit/s weniger. Der Geschwindigkeitsvorteil von LTE ist also in diesem Beispiel so gering, dass er sich in der Praxis nicht bemerkbar macht. Gleichzeitig ist das LTE-Netz allgemein deutlich schlechter ausgebaut, so dass ich selbst in Großstädten stets einen deutlich besseren UMTS-Empfang verzeichnen kann.

Der ständige Wechsel zwischen UMTS- und LTE-Netz kostet zudem unnötig Energie, was eine verkürzte Akkulaufzeit zur Folge hat. Auf meinem iPhone habe ich daher unter „Einstellungen/Mobiles Netz/Sprache & Daten“ LTE abgeschaltet.

Für Geschwindigkeits-Tests nutze ich übrigens stets die kostenlose App Speed Test.

Den Störfaktor Hand minimieren

Die Mobilfunk-Antennen sitzen an der Unterseite des iPhones

Die Mobilfunk-Antennen sitzen an der Unterseite des iPhones

Die Antennen für 3G und LTE sitzen beim iPhone auf der Rückseite, und zwar leider genau dort, wo man das Gerät meistens mit der Hand anfasst, also im unteren Bereich. Da die menschliche Hand Wasser enthält, schirmt sie Mobilfunkstrahlung sehr gut ab und dämpft so das Empfangssignal. Hält man das iPhone dagegen eher im mittleren Bereich fest, verbessert sich der Empfang erheblich. Probiert es mal aus.

Empfangsverstärker

Eine Hand voll Schutzhüllen-Hersteller hat sich darauf spezialisiert iPhone-Cases herzustellen, die einen besseren Empfang gewährleisten sollen. Beim Testen dieser Gadgets haben wir sowohl positive, als auch gemischte Erfahrungen gesammelt. Hier hilft leider nur selbst der Selbstversuch.

Wenn alles nichts hilft

Natürlich können unsere Tipps keine Wunder vollbringen. Wenn euer Mobilfunkanbieter ein schlecht ausgebautes Netz betreibt, helfen die besten Ratschläge nichts. Generell gilt, dass die beiden sogenannten D-Netze am besten ausgebaut sind. Gemeint sind die Netze D1 (Telekom) und D2 (Vodafone). Wenn ihr also unter schlechtem Empfang leidet, solltet ihr über einen Providerwechsel nachdenken. In der Regel könnt ihr eure Rufnummer mitnehmen und der neue Anbieter kündigt sogar euren alten Vertrag.

Weitere hilfreiche Tipps findet ihr in unserer Rubrik Tipps & Tricks.

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