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Kaufberatung: Warum ihr die Apple Watch nicht kaufen solltet

Obwohl ich ein technikbegeisterter Blogger bin, hat mich die Apple Watch bis zum Marktstart kaum beeindrucken können. Die grundlegende Fragestellung, warum man sich kastrierte digitale Inhalte auf einem winzigen 1,34″-Display ansehen sollte, obwohl nur einen Handgriff entfernt ein stattlicher 5,5″-Smartphone-Bildschirm wartet, kann Apple mit seinen bunten und emotionsbetonten Werbespots nicht beantworten. Ein paar Tage nachdem die schlaue Uhr schließlich erhältlich war, meldeten sich dann doch noch die Early-Adopter-Gene bei mir. Die Begeisterung in der Apple-Szene wirkte ansteckend und so hatte ich mir trotz der utopischen Lieferzeit von 1-2 Monaten eine Apple Watch bestellt. Doch die endgültige Entscheidung war noch nicht gefallen und so verschlang ich jeden Erfahrungsbericht von Erstbestellern. Die anfängliche Begeisterung der Blogger und Vlogger verflog schnell und schon nach einer Woche stellten die meisten ernüchtert fest, dass sie die Apple Watch im Grunde gar nicht benötigen. Da endlich eine Entscheidung für oder gegen das neue Apple-Gadget her musste, habe ich die typischen Einsatzbereiche der Apple Watch genauer analysiert und meine Order schließlich storniert.

Die Apple Watch als unauffällige Smartphone-Fernbedienung 

Heutzutage gilt es als unhöflich aufs Smartphone zu starren und seinen Mitmenschen nicht die ihnen zustehende Aufmerksamkeit zukommen zu lassen. Die Apple Watch könnte das Problem entschärfen, denn mit ihr kann man auf unauffällige Weise prüfen ob eingegangene Nachrichten wichtig sind oder nicht. Für echte Interaktionen muss das iPhone schließlich doch aus der Tasche geholt werden. Dies liegt vor allem an der fehlenden virtuellen Tastatur und dem geringen Bildschirmplatz den Apples Smartwatch bietet. Zwar kennt die Watch Siri als akustische Eingabemethode, doch wer will schon in Meetings, öffentlichen Verkehrsmitteln oder im Restaurant den „Knight Rider“ geben? Somit fällt die Apple Watch als unauffällige Eingabemethode fürs iPhone flach. Auch ohne Spracheingabe kann längeres Drehen und Drücken der digitalen Krone, kombiniert mit Wischgesten und Force Touch den gleichen negativen Eindruck bei eurem Gegenüber verursachen, wie das Bedienen eures Smartphones.

Immerhin klappt das schnelle Beantworten von Nachrichten mit der Watch wohl recht gut. Doch auch hier gibt es wieder einen Haken. Animierte Smileys, handgemalte Mini-Zeichnungen (Scribbles), Taps und der eigenen Herzschlag landen nur bei anderen Apple Watch-Besitzern. Wer „lediglich“ einen Mac, ein iPad oder ein iPhone besitzt, bleibt außen vor. Damit schafft Apple eine weitere Insellösung innerhalb der hauseigenen Produktpalette, die zu völlig absurden Situationen führt. Um die soeben genannten Funktionen zu testen verabreden sich Apple Watch-Besitzer inzwischen sogar mit wildfremden Leuten via Reddit, oder fügen ihre eigenen Kontaktdaten zur Freundeliste hinzu.

Die Apple Watch als Statussymbol 

Teure Uhren werden gern als Statussymbol getragen. Dies trifft vor allem bei Männern zu, da sie ansonsten keinen Schmuck wie Ohrringe, Ketten und Armbänder tragen können, ohne exzentrisch zu wirken. Taugt die Apple Watch also als Luxusuhr? Zumindest preislich kann die Frage mit „ja“ beantwortet werden. Der Versuch mit einem digitalen Spielzeug (Stichwort Plastikarmband) die zeitlose Klasse einer Armbanduhr mit mechanischem Uhrwerk erreichen zu wollen, muss aber scheitern. Dies trifft sowohl für Apple als Hersteller der neuen Smartwatch zu, als auch für deren Träger. Spätestens in ein paar Wochen, wenn der Hype um Apples Uhr vorbei ist, verfliegt der einstige Glanz. Eine Apple Watch hat zudem nur eine geringe Lebensdauer von 2-3 Jahren, denn Hardware, Software und Akku veralten mit jedem Tag der vergeht. Das Gadget ist also weder ein Erbstück, noch eine Wertanlage. Des Weiteren sieht die Smartwatch im Vergleich zu anderen Luxusuhren nicht besonders ansprechend aus. Schließlich trägt man die meiste Zeit einen ausgeschalteten Bildschirm am Arm. Bei Tageslicht ist dieser Bildschirm zudem viel zu dunkel um die feinen Farben und Details der zugegebenermaßen recht liebevoll gestalteten Ziffernblätter erkennen zu lassen. Apropos Ziffernblätter: Nur Apple darf derzeit neue Watch Faces entwerfen und veröffentlichen. Das angeblich bis dato persönlichste Stück Hardware aus Cupertino lässt sich daher nur in engen Grenzen personalisieren. Bilder von den Liebsten als Hintergrund? Fehlanzeige. Erfreulicherweise bessert Apple in Watch OS 2 nach.

Inzwischen tauchen auch die ersten Negativberichte bezüglich der Qualität der Apple Watch auf. Kratzanfällige Gehäusedefekte Schließmechanismen und sich lösende Display-Gehäuse-Verbindungen wollen so gar nicht zum Image einer Luxusuhr passen, sondern sind normalerweise eher typisch für Massenware. Und in der Tat, die Apple Watch ist ein millionenfaches Massenprodukt, welches bereits von vielen Menschen rund um den Globus getragen wird. Wer sich also von der Masse abheben will, sollte den Kauf einer solchen Uhr besser vermeiden. Ein Statussymbol bleibt sie bestenfalls so lange, bis Apples Lieferschwierigkeiten passé sind. Von einer Luxusuhr erwartet man auch dass sie tadellos funktioniert. Die Miniruckler und Denkpausen, welche sich Apples jüngstes Produkt genehmigt, passen da nicht ins Bild.

Die Apple Watch als Sportuhr 

Schwimmen gehen könnt ihr mit der Apple Watch nicht. Sie ist zwar gegen zeitweiliges Untertauchen geeignet, da sie den sogenannten IPX7-Standard erfüllt, doch Apple gibt nicht an, wie lange die Uhr im Wasser verbleiben darf. Da Apples Smartwatch über keinen eigenen GPS-Empfänger verfügt, bewegen sich die Sport-Funktionen auf dem Niveau eines besseren Fitness-Trackers, allerdings zu einem Vielfachen des Preises. Da die Apple Watch preislich hoch angesetzt ist, hätte ich persönlich Sorgen, dass sie beim Workout Schaden nimmt. Seien es unliebsame Schrammen auf dem empfindlichen Gehäuse, oder ein gesprungenes Display-Glas. Selbst Saphirglas ist nämlich keinesfalls schlagfest (Youtube-Link), sondern verhindert lediglich Kratzer.

Fazit

Auch wenn Apples erste Smartwatch sicherlich besser umgesetzt ist als die Geräte der Konkurrenz, krankt sie doch an ähnlichen plattformbedingten Einschränkungen. Warum sollte man für derart viele Kompromisse mindestens 400 Euro in die Hand nehmen? Falls ihr immer noch mit euch ringen solltet, ob ihr die Apple Watch anschafft oder nicht, stellt euch einfach die folgende Frage: Über was würdet ihr euch mehr freuen? Die Apple Watch eurer Wahl, oder deren Kaufpreis in bar?

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10 Comments

  • Chris 4. August 2015 at 23:33

    Noch nie so einen schlechten Artikel gelesen. (Apple Watch im folgenden kurz „Watch“)

    – Die Apple Watch ist NICHT GLEICHZUSETZEN mit einer normalen Armbanduhr.
    Das ist wie BMW und Dacia: machen beide Autos – unterscheiden sich jedoch viel zu stark voneinander. (elektronisch/mechanisch)
    – JEDES Produkt von Apple ist nur für wenige Jahre gemacht, liegt nicht daran dass die sche*** sind und die Watch demnach auch sche*** ist, sondern am technischen Fortschritt (wir leben nicht mehr im Jahre 1990) – auch hier wurde wieder einfach mit einer normalen Armbanduhr verglichen.
    – Die Watch ist nicht das einzige tragbare Gadget mit Plastikarmband (Uhren haben das auch sehr oft)
    – Eine Amrbanduhr kann im dunkeln größtenteils nicht gelesen werden. Ooohaa, hat hier die Watch etwa einen klaren Vorteil??? – wieso hebt man diesen NIE hervor?
    – Jeder kann selber entscheiden ob 400€ viel Geld sind oder nicht. Bei mir ist das, mit einem eher niedrigem Gehalt, NICHT der Fall.
    – Empfindliches Gehäuse, ähm? Und das iPhone, iPad, sämtliche anderen Smartphones, Tablets, Uhren – alle komplett unempfindlich? Pff…
    – Der Bildschirm den man da „mit sich herumträgt“ (sehr schöne Wortwahl wo doch JEDER bereits mindestens einen Bildschirm (Smartphone) noch viel mehr mit sich „herumträgt“ da dieses nicht am Handgelenk fixiert ist.
    – Und er ist ausgeschaltet – die meiste Zeit, voll doof. „Wenn ich die Front nicht sehe kann ich die Uhrzeit nicht ablesen“
    Übersetzung: „Wenn ich die Brille nicht aufsetze kann ich nicht scharf sehen“
    Wahnsinn, was für eine Feststellung. Wo ist da bitte ein Nachteil zu einer normalen Armbanduhr? (nochmal zur Erinnerung: man kann Uhr und Watch nicht vergleichen)
    Es gibt keinen Bildschirm der sich abschalten kann also ist die Uhrzeit aus jeder Position und immer super zu erkennen??? (ich lache)
    – Animierte Smileys von der Watch werden NUR auf anderen Systemen nicht angeizegt, auf iOS sehr wohl.

    und abschließend:
    – Wenn ich kein Geld ausgebe – habe ich kein Produkt.
    – Wenn ich ein Produkt kaufe – habe ich Geld dafür ausgegeben.
    Dessen ist sich ein jeder von uns seit tausenden Jahren bewusst.

  • Paul 12. September 2015 at 14:54

    – Der Autovergleich hinkt hinten und vorne. Natürlich kann man die Watch nicht mit einer normalen Uhr gleichsetzen, trotzdem wird sie nunmal als „Uhr“ verkauft und muss sich daher den Vergleich gefallen lassen. Zumal ich, trage ich die Apple Watch, ja auf eine normale Armbanduhr verzichten muss. Bin ich also passionierter Schwimmer und nutze die Uhr beim täglichen Training, um meine Zeiten zu tracken oder meinen Pulsschlag im Auge zu behalten, dann hat die Apple Watch hier im Vergleich hier einen klaren Nachteil.

    – Jedes Produkt von Apple ist nur für wenige Jahre gemacht. Das ist soweit richtig. Das liegt noch nicht einmal zwangsläufig am technischen Fortschritt, sondern viel mehr daran, dass Apple genau das erreichen und auch entsprechend forciert. Irgendwann gibt es das neueste OS eben nicht mehr für das eigene Gerät, dann benötigen die neuesten Apps das neueste OS und entsprechend wird mein Gerät mit der Zeit unbrauchbar. Begründet wird das immer mit dem technischen Fortschritt, dass das zumindest dehnbar ist, hat Apple mit dem iPad 2 selbst bewiesen. Das verkaufte sich einfach lange viel zu gut, um es nicht mehr mit Updates zu versorgen. Selbst iOS 9 wird es noch auf dem iPad 2 geben, im März wird Steve Jobs letzter Geniestreich übrigens 5 Jahre alt. Der Zeitraum ist jetzt auch nicht die Welt, zeigt aber, dass das Ganze bei Bedarf durchaus dehnbar ist. Hinzu kommt, lieber Chris, dass eine Uhr immer schon Statussymbol und Wertanlage war. Ab einer gewissen Preisklasse trägt man Uhren nunmal nicht mehr nur, weil man wissen will wie spät es ist. Eine gewisse Wertstabilität ist daher bei Uhren schon wünschenswert. Das ist bei der 400 Euro Variante noch kein Beinbruch, bewegt man sich dann aber im mittleren bis hohen 4 Stelligen Bereich, ist der enorme Wertverfall der Uhr du garantierte Nachfolgemodelle und Verschleiß in der Tat ein Problem. Hier sind Uhren von Glashütte oder Omega, von mir aus auch Rolex und Breitling klar im Vorteil.Und nochmal, wenn Apple eine Uhr baut, muss sie sich auch mit klassischen Armbanduhr vergleichen lassen.

    – Ich glaube dein Problem ist einfach, dass du dich ansonsten nicht sonderlich für Uhren interessierst, anders ist der Einwand mit dem Plastikarmband nicht zu erklären. Ein Plastikarmband findet man in der Regel lediglich bei Uhren im Bereich von unter 200 Euro. Es kann zur Uhr passen, wirkt aber oftmals billig und erinnert eher an Spielzeug, wie im Artikel richtig beschrieben. Apple verlangt für eine Uhr mit Plastikarmband 400 Euro. Mehr braucht man dazu glaube ich nicht zu sagen.

    – Der Punkt mit dem Gehäuse. Die Uhr ist wohl das Apple Gerät, welches den meisten Umwelteinflüssen ausgesetzt und nebenbei am schlechtesten zu schützen ist. Der Anspruch an die Robustheit der Watch muss also naturgemäß ein anderer sein. Dass die Uhr diese ganz offensichtlich nicht erfüllt, steht im krassen Widerspruch zum doch recht hohen Preis, sowie dem grundsätzlichen Anspruch an eine Uhr, auch bei regelmäßigem Gebrauch im Alltag kratzerfrei zu bleiben.

    – Die nächsten Punkte sind mir zu konfus und ich verstehe leider nicht, was du meinst. Du wirfst die Frage auf, wo hier der Nachteil im Vergleich zur normalen Uhr sei, nur um dann direkt anzumerken, dass man Uhr und Watch nicht Vergleichen könne, obwohl du deine Argumentation weiter oben genau mit diesem Vergleich untermauert hast ?

    – Ein weiterer Punkt der klar gegen die Watch spricht, sind die nicht funktionierenden Apps. Du möchtest dir schnell ein Taxi rufen und überlegst das mit der Uber App über die Watch zu erledigen. Mit 5 Minuten Wartezeit bist du dabei. Das ist nur ein Beispiel. Dazu ist die Bedienung fummelig, klar gibt es Siri, aber das diktieren von Befehlen stößt spätestens im Zug oder Flugzeug an seine Grenzen. Siri auf Deutsch ist sowieso ein Thema für sich. So lange man „Spiele Fu Fickters“ sagen muss, um die Foo Fighters hören zu können, bleibt der Nutzen insgesamt doch eher begrenzt, auch wenn sich die deutsche Version natürlich schon stark verbessert hat.

  • Tom 21. Oktober 2015 at 13:08

    Soll man lieber zu teuren greifen oder reicht die Sport? Hab gehört die Sport soll nicht gut verarbeitet sein und sehr empfindlich im Alltag. Hab vor mir morgen eine zu kaufen und weiß nicht welche ich kaufen soll.

    • Frank 21. Oktober 2015 at 13:30

      Die Sport-Variante ist genauso gut verarbeitet. Abstriche muss man lediglich bei der Auswahl an Armbändern hinnehmen. Sie zerkratzt auch nicht so leicht wie die Edelstahl-Version.

      • Tom 21. Oktober 2015 at 18:15

        Da sag ich schon mal danke für die Info! Zumindest bin ich jetzt schlauer geworden. Wollte schon 800€ ausgeben morgen. Dann Verlass ich mich mal drauf und hol die Sport morgen.

        • Frank 21. Oktober 2015 at 19:01

          Probiere doch in Ruhe im Apple Store erstmal beide Varianten an.

          • Tom 21. Oktober 2015 at 20:20

            Ja das werde ich auch machen!

          • Tom 21. Oktober 2015 at 20:21

            Trotzdem danke!!!

  • Tom 22. Oktober 2015 at 10:56

    Ich hab dann doch zu der Edelstahl Variante gegriffen, dein Bericht mit den Bänder hat mir dann doch zu denken gegeben, will ja keine rostende Uhr am Handgelenk. jetzt erstmal alles einstellen!

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