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Testbericht: Das neue MacBook 12“

Apples 12-Zoll-MacBook ist eigentlich gar nicht mehr so neu. Seit dem 10. April kann man es online bestellen. Wer aber versucht es in einem Retail Store zu kaufen, wird von den Mitarbeitern immer wieder vertröstet. Das ultraleichte Subnotebook ist damit in Apples Ladengeschäften praktisch nicht erhältlich, egal für welche Farbe oder Ausstattung man sich interessiert. Wer also eines der vergriffenen Geräte erwerben möchte, muss zwingend online bestellen. Dies habe auch ich getan und musste mich exakt einem Monat gedulden, bis das gute Stück endlich bei mir eintraf.

Das MacBook 12“ ist mein erster Mac, was einfach daran liegt, dass meine Windows-Rechner stets Arbeitstier und Spielekonsole zugleich sein mussten. Inzwischen haben sich meine Prioritäten verschoben, und als ich mir Apples neue Wunderkiste live ansah, sprang der Funke sofort über. Das nur knapp 900 g leichte und maximal 13,1 mm dicke Gerät verschwindet problemlos in der Aktentasche. Eine ebenso gute Figur macht es als zuverlässige Schreibmaschine innerhalb der heimischen vier Wände.

Apples 12-Zoll-Rechner reizt die Grenzen des technisch Möglichen aus, und sorgt gerade dadurch für Faszination. Ähnlich war es damals auch beim Erscheinen des ersten MacBook Air, welches eine völlig neue Geräte-Kategorie schuf. Da technische Extreme auch immer mit Kompromissen einher gehen, müssen Besitzer des neuen MacBooks bei der Hardware-Ausstattung Abstriche machen.

Akkulaufzeit

Dreh- und Angelpunkt eines guten Laptops ist nach wie vor die Akkulaufzeit. Apple verspricht bis zu 9 Stunden drahtloses Surfen, was nach meiner Erfahrung aber nicht ganz hinkommt. 7-8 Stunden sind bei moderater Display-Helligkeit schon eher realistisch. In ein kleines Notebook passt auch nur ein kleiner Akku, so dass Apple jeden Millimeter im Gehäuseinneren ausnutzen muss. Die eingebaute Lithium-Polymer-Batterie ist daher treppchenförmig aufgebaut und kann immerhin 39,7 Wh Energie speichern. Im Leerlauf, bei minimaler Display-Helligkeit, bei deaktivierter Tastaturbeleuchtung und bei abgeschaltetem WLAN verbraucht der 12-Zöller gerade einmal 2,2 Watt. Damit kommt man rechnerisch auf maximal 18 Stunden Laufzeit, doch ist dieses Szenario natürlich wenig praxisgerecht.

Leistung

Diese extreme Sparsamkeit kann natürlich nur durch einen vergleichsweise leistungsschwachen Prozessor erkauft werden. Im MacBook 12“ arbeitet Intels Core M CPU, die mit einer Thermal Design Power von nur 4,5 Watt zu den sparsamsten Laptop-Prozessoren überhaupt gehört. Die geringe Leistungsaufnahme hat noch einen weiteren Vorteil: Der Rechenkern kann passiv gekühlt werden und so ist ein Lüfter überflüssig. Da im neuen MacBook außerdem standardmäßig eine Solid State Disk steckt, arbeitet die Rechen-Flunder völlig geräuschlos. Beim Bestellvorgang lässt Apple dem Käufer die Wahl zwischen 1,1, 1,2 und 1,3 Ghz Takfrequenz, verlangt für das Leistungsplus aber im Gegenzug einen gesalzenen Aufpreis von 180-300 Euro. Da die 100 oder 200 Mhz mehr in der Praxis kaum eine Rolle spielen, können Sparfüchse bedenkenlos zur Minimalausstattung greifen. Spieletauglich ist das MacBook 12″ ohnehin nicht, und wie schnell eine Office-Anwendung startet hängt mehr von der Geschwindigkeit der Festplatte als von der Prozessorleistung ab. Obwohl die Rechenpower des Zwölfzöllers gut 1/4 hinter der eines MacBook Air zurück bleibt, reicht die Arbeitsgeschwindigkeit für alltägliche Aufgaben völlig aus. Großzügige 8 GB RAM bieten genug Puffer für alle Nutzer die mit zahlreichen parallel geöffneten Anwendungen arbeiten.

Mit Hilfe des kostenlos erhältlichen Benchmark-Programms Cinebench R15 habe ich die Leistungsgrenzen von Apples neuester Schöpfung ermittelt. Die 1,3-Ghz-CPU kam im Multi-Core-Benchmark auf 217 Punkte. Das Subnotebook erhitzte sich während des Tests erheblich, allerdings nur auf der Unterseite. Stand das MacBook auf einer weichen Unterlage (Couch) halbierte sich die Performance auf magere 124 Punkte. Der Grund hierfür ist die Hitzeschutz-Funktion des Prozessors, welche die Taktfrequenz im Ernstfall automatisch reduziert. Das 12-Zoll-MacBook ist also nicht für Dauerlast ausgelegt. Ein Grund mehr sich das teure Prozessor-Upgrade zu sparen.

Tastatur

Um das MacBook maximal zu verschlanken setzt Apple eine neuartige Tastaturkonstruktion ein. Die sogenannte Butterfly-Mechanik führt zu sehr kurzen Tastenhüben. Der Anschlag kommt sofort nachdem man den Finger auf die Tasten gelegt hat. Anfangs irritiert das ungewöhnliche Schreibgefühl, doch schon nach gut einer Stunde hat man sich an das knackige Keyboard gewöhnt. Auf Grund des kurzen Tastenweges tippe ich inzwischen sogar deutlich schneller als auf einer gewöhnlichen Tastatur. Obwohl die Butterfly-Mechanik einen weiteren konstruktiven Kompromiss darstellt, kann ich sie daher nicht als Nachteil auslegen. Da Apple die Tasten außerdem vergrößert hat, vertippt man sich nur selten. Erfreulicherweise hinterlässt die Tastatur auch keine Abdrücke auf dem Display, sobald man das MacBook zuklappt. Jede Taste ist per LED einzeln beleuchtet, was aus meiner Sicht weder einen Vorteil noch Nachteil darstellt. Allerdings habe ich festgestellt dass das von der Tastatur ausgesendete Licht im Dunkeln auch irritieren kann. Es ist schwierig zu beschreiben, aber ich will es trotzdem versuchen: Sitzt man in einem abgedunkelten Raum und blickt auf den Bildschirm, scheint die Tastaturbeleuchtung zu flackern. Das tut sie definitiv nicht, es handelt sich um eine optische Täuschung, die durch das natürliche Blinzeln der Augen hervorgerufen wird. Von anderen Tastaturbeleuchtungen kenne ich dieses Phänomen jedoch nicht. Es scheint also etwas mit dem LED-Typ zu tun zu haben.

Display

Im MacBook steckt ein Retina Display mit 2304 x 1440 Bildpunkten (und hoffentlich ohne Staingate-Probleme). Das entspricht einer Pixeldichte von 226 ppi. Es ist angenehm hell und so auch im Freien nutzbar. Die Sonne sollte man allerdings nicht im Rücken haben, denn der Bildschirm spiegelt. Besonders angenehm finde ich, dass ein Sensor die Display-Helligkeit automatisch regelt und stets der aktuellen Beleuchtungssituation anpasst. So spart man sich ein ständiges Nachjustieren der Bildschirmhelligkeit. Auch die Tastaturbeleuchtung passt sich der Umgebung an. Das farbenprächtige IPS-Display lässt sich selbst bei spitzem Blickwinkel hervorragend ablesen. Dies ist insbesondere dann wichtig, wenn man den Mac auf dem Schoß balanciert, zum Beispiel während einer Bahnfahrt. Der Bildschirm lässt sich nämlich nur bis etwa 120° aufklappen. Das Apfel-Logo auf dem Displaydeckel ist übrigens nicht beleuchtet, sondern besteht aus Edelstahl. Dieses ungewohnte „Understatement“ gefällt mir persönlich sehr gut und passt auch optisch zur aktuellen iPhone-Serie.

Force Touch

Apples Trackpad bietet erfreulich viel Platz und arbeitet sehr präzise. Der Clou ist aber die sogenannte Force Touch-Funktion. Das Touchpad reagiert auf Druck und gibt ein haptisches Feedback. Ein leichtes Drücken aufs Trackpad (unabhängig wo sich der Finger befindet), entspricht einem einfachen Klick. Ein Stärkeres Drücken löst einen Spezial-Klick aus, der zum Beispiel in der Maps-App eine Stecknadel setzt, oder in der Notizen-App das Wörterbuch startet.

Sound

Wenn man das erste mal einen Song auf dem Zwölfzöller abspielt, traut man seinen Ohren kaum. Die winzigen Stereo-Lautsprecher liefern einen kristallklaren Klang ab, der sich vor kleinen Soundsystemen nicht zu verstecken braucht. Bass darf man allerdings nicht erwarten.

Anschlüsse

Das MacBook hat nur zwei Anschlüsse, nämlich eine Headset-Buchse und einen USB-C-Port, der mehrere Funktionen übernimmt und mit Adaptern erweitert werden kann. Sowohl das Aufladen via Netzteil, als auch das Anschließen externer Bildschirme oder USB-Sticks, findet über die exotische USB-C-Buchse statt. Bisher gibt es jedoch kaum Peripherie, welche USB-C unterstützt. Workarounds müssen also her. Für einen USB-C-auf-USB-Adapter will Apple stolze 25 Euro haben. Empfehlenswerter ist der USB-C-Digital-AV-Multiport-Adapter, denn dieser stellt nicht nur einen HDMI- und USB-Port bereit, sondern kann das MacBook über eine zusätzliche USB-C-Buchse gleichzeitig aufladen. Dieser Adapter sollte also die Bedürfnisse der meisten Nutzer abdecken können, kostet aber unverschämte 89 Euro. Fast scheint es so als wolle Apple ausprobieren wie sehr sich die eigenen Kunden finanziell ausquetschen lassen.

Das mitgelieferte 29-Watt-Netzteil sieht zwar aus wie ein iPad-Ladegerät, doch kann man Apples Tablet mangels Standard-USB-Buchse nicht anschließen. Zuerst dachte ich Apple hätte sich auch beim Netzteil für USB-C entschieden, da der 12-Zöller eine höhere Spannung braucht. Doch ein genauer Blick auf die Spezifikationen des Ladesteckers verraten, dass der intelligente Energiespender sowohl 14,5 V als auch 5,2 V ausgeben kann. Knapp 5 V sind genau die Spannung, welche iOS-Geräte haben wollen. Über den Umweg USB-C-auf-USB-Adapter sollte sich also ein normales Lightning-Kabel anschließen und somit ein iPhone oder iPad laden lassen. Ausprobiert habe ich es aber noch nicht, daher kann ich keine Gewähr übernehmen. Die Entscheidung für USB-C bedeutet gleichzeitig, dass Apple seinen beliebten MagSafe-Anschluss aufgegeben hat. Dabei ist es so einfach das nur 0,9 kg leichte MacBook über einen Kabelstolperer vom Tisch zu fegen. (Thunderbolt-Geräte sind übrigens mit USB-C ebenfalls inkompatibel.)

Fazit

Trotz seiner Schwächen ist das MacBook 12“ aus meiner Sicht ein rundum gelungenes Gerät. Wer mit den nicht gerade wenigen Kompromissen leben kann, bekommt ein ultra-portabeles und stylisches Arbeitstier, welches selbst ein MacBook Air altbacken und überdimensioniert wirken lässt. Die Möglichkeit sich für ein silbernes, spacegraues oder goldenes Modell entscheiden zu können, unterstreicht Apples Anspruch Macs und iOS-Geräte nach und nach verschmelzen zu lassen. Nach der Online-Bestellung müsst ihr euch allerdings zunächst in Geduld üben. Die Lieferzeit beträgt immer noch 2-3 Wochen.

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2 Comments

  • Florian 10. August 2015 at 22:46

    Hi Frank,

    reicht die Leistung um RAW Bilder mit der iphoto Applikation zu bearbeiten?

    Schöne Grüße

    • Frank 10. August 2015 at 22:50

      Hi!

      Ich nutze iPhoto leider nicht, gehe aber davon aus dass es mit Abstrichen bei der Leistung gehen wird.

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