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Im Test: Apples AirPods

Nachdem sich der Verkaufsstart von Apples AirPods zunächst unerwartet verzögert hatte, sind die drahtlosen Ohrhörer inzwischen erhältlich (zumindest in der Theorie). Interessenten müssen nämlich Geduld aufbringen wenn sie ein Paar der weißen Stöpsel erwerben wollen. Die aktuell von Apple angegebene Lieferzeit beträgt 6 Wochen. In der Realität dürfte die tatsächliche Wartezeit wohl 1-2 Wochen kürzer ausfallen, doch zeigt die Zeitspanne deutlich wie groß die Nachfrage nach den winzigen Bluetooth-Hörern ist. Bevor ihr aber die knapp 180 Euro investiert, könnt ihr in diesem Testbericht erfahren was euch an positiven und negativen Eigenschaften erwartet.

Erster Eindruck

Äußerlich unterscheiden sich Apples AirPods nur geringfügig von den kabelgebundenen EarPods, welche jedem iPhone beiliegen. Lediglich der untere Schaft ist breiter und länger, da hier die Batterie, das Primärmikrofon und die Antenne für den jeweiligen Hörer untergebracht sind. Die ungewohnte Form gefällt nicht jedem und hat schon kurz nach der ersten Produkt-Ankündigung für reichlich Spott im Netz gesorgt. Mit nur 4 Gramm je Ohr sind die AirPods überraschend leicht, vor allem wenn man bedenkt wie viel Technik sich hier auf engstem Raum tummelt. Neben dem Akku, der einen Großteil des Gewichtes ausmachen dürfte, beherbergt jeder Hörer eine komplexe Steuerungselektronik, die nicht nur die drahtlose Kommunikation auf die Reihe bekommen muss, sondern auch zwei Mikros, zwei optische Sensoren und einen Beschleunigungssensor dirigiert.

Mit gerade einmal 25 mAh ist der integrierte Akku winzig. Zum Vergleich: Im iPhone 7 steckt eine Batterie mit der 80fachen Kapazität. Dennoch ermöglicht dieser kleine Akku den AirPods eine Laufzeiten von bis zu 5 Stunden mit einer Ladung. Zwischen den Hör-Sessions wandern die AirPods wieder ins Lade-Case und werden dort von einem 398 mAh starken Akku im Schnelldurchgang betankt. 15 Minuten sollen laut Apple bereits ausreichen um eine Wiedergabedauer von 3 Stunden zu gewährleisten. Ist die Batterie in der Lade-Box leer, wird sie über einen integrierten Lightning-Anschluss wieder aufgeladen. Dies soll nach Angaben von Apple aber erst nach 24 Stunden Dauerhören notwendig sein. Eine ins Case integrierte LED zeigt den Füllstand des fest eingebauten Akkus an, sobald die AirPods entnommen werden. Wird nur das Case geöffnet, ohne die AirPods aus ihrer Verankerung zu lösen, signalisiert die selbe LED wie viel Power noch in den Stöpseln steckt. Sehr viel genauer und bequemer lassen sich die Ladestände aber am iPhone ablesen. Hier poppt ein Akku-Menü auf, sobald das Lade-Case aufgeklappt wird. Auch das iOS-Batterie-Widget zeigt exakte Prozentzahlen an sobald die AirPods mit dem iPhone verbunden sind.

Das Lade-Case ist gleichzeitig ein sehr guter Transportschutz, denn es machte auf mich einen robusten und gut verarbeiteten Eindruck. Der magnetisch verschlossene Deckel verhindert zuverlässig dass unterwegs ein Hörer verloren geht. Die Schutzhülle ist außerdem für das Koppeln der AirPods mit einem iPhone, iPad, Mac, PC, oder MP3-Player zwingend erforderlich.

Einrichtung

Auch wenn die Einfachheit des Koppelns der AirPods mit einem Endgerät bereits vielfach gelobt wurde, unterscheidet sich der Vorgang nicht wesentlich von anderen Bluetooth-Geräten. Das Ganze findet lediglich unter Anleitung statt, denn sobald das AirPod Case aufgeklappt wird, und Bluetooth am iPhone aktiviert ist, ploppt ein Menü auf und fordert den Nutzer zum Koppeln bzw. Verbinden auf. Ein Klick auf den angezeigten „Verbinden“-Button fördert aber lediglich einen weiteren Hinweis zutage. Der Anwender soll nun den Knopf auf der Rückseite des AirPod Case gedrückt halten. Anschließend ist das Koppeln abgeschlossen. Insgesamt ist die Prozedur nicht schneller als das Verbinden klassischer Bluetooth-Geräte über das entsprechende iOS-Menü unter Einstellungen/Bluetooth.

Während das menügestützte Einrichten der AirPods an einem iPhone 7 Plus und iPhone SE (beide iOS 10.2) problemlos funktionierte, tauchte das hier gezeigte Popup weder am MacBook (macOS Sierra 10.12.2) noch am iPad Pro 12,9″ (iOS 10.2), oder Apple TV 4 (tvOS 10.1) auf. Auf den drei zuletzt genannten Geräten musste das Koppeln ganz altmodisch über das Bluetooth-Menü erfolgen. Dabei hatte Apple Folgendes versprochen:

Wenn Sie bei iCloud angemeldet sind, werden Ihre AirPods auf jedem Ihrer unterstützten Geräte automatisch eingerichtet, die mit derselben Apple-ID bei iCloud angemeldet sind.

Auch nach mehreren Versuchen klappte der Automatismus nicht. Dies ist vor allem dann ärgerlich wenn man das Case verlegt oder vergessen hat, denn dann ist ein erneutes Koppeln nicht möglich.

Update: Inzwischen klappt der iCloud-Sync.

Bedienung

Apples AirPods kommen ohne Fernbedienung oder Tasten daher. Tippt man doppelt (und kräftig) auf einen der Hörer meldet sich Siri und verstellt auf Wunsch die Lautstärke oder springt zum nächsten Song. Gerade die Lautstärkeanpassung ist via Siri allerdings eine äußerst nervige und langwierige Prozedur. Hier ist man deutlich schneller indem man das iOS-Gerät aus der Tasche hervor holt.

Alternativ kann die Doppeltippen-Gesten auch mit der Funktion „Play/Pause“ belegt werden. Dazu wechselt man auf iOS-Geräten ins Menü Einstellungen/Bluetooth, verbindet die AirPods und klickt anschließend auf das kleine i-Symbol neben dem Schriftzug „Verbunden“. Hier kann man auch einen anderen Namen für seine AirPods vergeben. Auf dem Mac öffnet man dagegen die Systemeinstellung „Bluetooth“, verbindet die AirPods und klickt nachfolgend auf „Optionen“.

Die Wiedergabe stoppt auch wenn einer der Hörer aus dem Ohr genommen wird. Sie startet von neuem wenn der Stöpsel wieder eingesetzt wird.

Tragekomfort

Da sie so wenig wiegen sind die AirPods viel angenehmer zu tragen als Apples klassische EarPods. Kein Kabel zieht am Ohr oder den Hörern. Selbst stundenlanges Tragen ist nicht unangenehm was die drahtlosen In-Ears auch für den Zuhause-Einsatz qualifiziert. Obwohl die Stöpsel einfach nur ins Ohr eingehängt werden saßen sie bei mir sehr sicher. Auch Sportler müssen keine Angst haben einen AirPod zu verlieren, nicht einmal bei Übungen die kopfüber gemacht werden. Da Ohren sehr unterschiedlich geformt sind lohnt sich ein Probetragen im Apple Store oder notfalls mit den von Apple mitgelieferten EarPods.

Klang

Für die Audio-Übertragung nutzen die AirPods erfreulicherweise Apples AAC-Codec. Letzterer kommt der Klangqualität hörbar zugute. Weshalb und wieso könnt ihr hier nachlesen. Einen klangliche Qualitätsverbesserung im Vergleich zu Apples Standard-EarPods konnte ich allerdings nicht feststellen. Die AirPods liefern gute Mitten und Höhen ab, schwächeln aber (bauformbedingt) bei den Bässen. Berücksichtigt man Größe und Gewicht der Hörer ist die Leistung nichtsdestotrotz bemerkenswert.

Positiv macht sich auch Apples W1-Chip bemerkbar dem es offenbar gelingt eine Bluetooth-Verbindung aufzubauen die energiesparend und stabil zugleich ist. In den bisherigen Tests konnte ich noch nicht einen einzigen Aussetzer oder andere Tonstörungen feststellen. Das ist für Bluetooth-Kopfhörer nicht selbstverständlich. Auch die Reichweite der Drahtlosverbindung ist gut. Sogar Gamer werden an den AirPods ihre Freude haben, denn die für Bluetooth-Technik üblichen Audio-Verzögerungen welche zu einer mangelnden Synchronität zwischen Bild und Ton führen, konnte ich nicht beobachten.

Service

Sollte euch mal ein Hörer abhanden kommen, was leicht passieren kann wenn die Stöpsel nicht in dem mitgelieferten Case transportiert werden, verlangt Apple 75 Euro für entsprechenden Ersatz. Die gleiche Summe wird bei einem Case-Verlust fällig. Gehen AirPods oder Case außerhalb der Garantie kaputt, nimmt Apple die gleiche Service-Gebühr für einen Austausch. Ein Batterieservice schlägt dagegen „nur“ mit 55 Euro zu Buche. Diesen Betrag verlangt Apple allerdings pro Hörer. Inklusive Case käme man also auf Gesamtkosten von 165 Euro. Das sind nur 14 Euro unter dem Neupreis. Dass die Batterie tatsächlich ausgetauscht wird ist allerdings nicht anzunehmen, denn sowohl das Case als auch die AirPods selbst sind laut iFixit.com fest verklebt und können nicht zerstörungsfrei geöffnet werden. Die Umweltbilanz eines solchen Wegwerfproduktes ist natürlich düster.

Fazit

Apples AirPods halten weitestgehend was sie versprechen und eignen sich auf Grund von Größe und Gewicht ideal als „Immer-Dabei-Kopfhörer“. Möglich wird dies auch durch die winzige Auflade-Box, die trotz der beachtlichen Akkuleistung gerade mal so groß ist wie eine Schachtel Zahnseide. Der Preis von 179 Euro ist aus meiner Sicht vollkommen angemessen da vergleichbare Produkte wie The Headphone von Bragi oder VerveOnes von Motorola zwar monetär in der gleichen Liga spielen, aber nicht in Sachen Design und Funktion mithalten können. Beispielsweise hält The Headphone zwar 6 Stunden Dauerwiedergabe durch, kommt aber ohne mobiles Lade-Case und benötigt volle 2 Stunden zum Aufladen. Das Gerät ist zudem deutlich größer und schwerer als die AirPods. Die VerveOnes wirken ebenfalls klobiger, ragen relativ weit aus dem Ohr heraus und kommen trotz Lade-Etui nur auf die Hälfte der Spieldauer der Apple-Hörer, also 12 Stunden. Auf AAC-Klang muss man verzichten.

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