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Im Test: iPhone 7 Plus

Obwohl das iPhone 7 Plus im Grunde „nur“ eine Weiterentwicklung des 6s Plus ist, hält Apples neues 5,5-Zoll-Smartphone einige Überraschungen bereit. Auch fällt die Abgrenzung zum kleineren iPhone 7 (ohne Plus) deutlicher aus als in den beiden Jahren zuvor.

Power

Der neue A10-Fusion-Chip bringt nicht nur messbar mehr Power mit. Das iPhone 7 Plus reagiert etwas schneller und flüssiger als das iPhone 6s Plus. Das macht sich vor allem dann bemerkbar, wenn viele Apps parallel geöffnet sind. Das iPhone 7 Plus ist nämlich mit 3 GB RAM ausgestattet. Das iPhone 6s Plus und das iPhone 7 bringen dagegen nur 2 GB mit. Dies machte sich auch in den folgenden Benchmark-Tests bemerkbar. Wurden die Geräte vor der Leistungsmessung neu gestartet, verringerte sich der Leistungsabstand zwischen 6s Plus und 7 Plus teilweise um 10%. Um vergleichbare Ergebnisse zu erhalten wurden die iPhones daher vor jedem Benchmark neu gestartet. Um den Blickwinkel zu erweitern durften außerdem ein iPhone SE (A9-Chip, 2 GB RAM) und ein iPad Pro 12,9″ (A9X-Chip, 4 GB RAM) am Test teilnehmen.

Eine Überraschung gab es bei der Ausführung des 3DMark Sling Shot. Die Ergebnisse waren extrem abhängig von der aktuellen Temperatur der iPhones, so dass davon auszugehen ist, dass die Grafik-Chips während des Tests auf Grund von Überhitzung gedrosselt wurden. Die Test-iPhones wurden daher zunächst im Kühlschrank auf ca. 8 °C herunter gekühlt und anschließend erneut mit dem Benchmark gequält. Die Ergebnisse sind so zwar miteinander vergleichbar, aber wenig aussagekräftig für die Praxis. Letztlich ist dies aber auch nicht schlimm, da keines der grafiklastigen Spiele im App Store ausschließlich die letzte iPhone-Generation unterstützt. Die Games werden also niemals voll ausreizen was die iPhone 7-Chips an Leistung zu bieten haben.

Folgende Ergebnisse haben wir gemessen:

AnTuTu HTML5 Test (Link)

  • iPhone 6s Plus: 26134 Punkte
  • iPhone 7 Plus: 31790 Punkte (+22% im Vergleich zum iPhone 6s Plus)
  • iPhone SE: 26183 Punkte
  • iPad Pro 12,9″: 31208 Punkte

3DMark Sling Shot Benchmark (Link)

  • iPhone 6s Plus: 2907 Punkte
  • iPhone 7 Plus: 3519 Punkte (+21% im Vergleich zum iPhone 6s Plus)
  • iPhone SE: 2988 Punkte
  • iPad Pro 12,9″: 4056 Punkte

AnTuTu Benchmark (Link)

  • iPhone 6s Plus: 142822 Punkte
  • iPhone 7 Plus: 180281 Punkte (+26% im Vergleich zum iPhone 6s Plus)
  • iPhone SE: 131378 Punkte
  • iPad Pro 12,9″: 198561 Punkte

Geekbench 4 Single-Core (Link)

  • iPhone 6s Plus: 2476 Punkte
  • iPhone 7 Plus: 3426 Punkte (+38% im Vergleich zum iPhone 6s Plus)
  • iPhone SE: 2476 Punkte
  • iPad Pro 12,9″: 3111 Punkte

Geekbench 4 Multi-Core (Link)

  • iPhone 6s Plus: 3989 Punkte
  • iPhone 7 Plus: 5399 Punkte (+35% im Vergleich zum iPhone 6s Plus)
  • iPhone SE: 3790 Punkte
  • iPad Pro 12,9″: 4770 Punkte

Display

Obwohl Apple den größeren Farbumfang des iPhone 7 Plus bewirbt, war im direkten Vergleich mit dem iPhone 6s Plus kaum ein Unterschied erkennbar. Ohnehin kann die optimierte Farbdarstellung nur dort punkten, wo der erweiterte Farbraum (DCI-P3) auch genutzt wird, und das sind vor allem Filme. Die Farben sind auf beiden Geräten sehr natürlich, mit dem Unterschied dass der Bildschirm des 7 Plus etwas wärmer abgestimmt ist als beim 6s Plus. Die 25% Helligkeitsunterschied zwischen den beiden iPhone-Displays erkennt man ebenfalls nur im direkten Vergleich. Im Test fiel außerdem auf, dass der Schwarzpunkt beim iPhone 7 Plus etwas besser getroffen ist.  Auflösung und Kontrast sind jeweils identisch. Insgesamt sind die Unterschiede jedoch so gering, dass sie nicht weiter ins Gewicht fallen.

Äußerlichkeiten

Die spiegelglatte Rückseite des 7 Plus Diamantschwarz ist ein Magnet für Fingerabdrücke. Wer ein sauberes Smartphone bevorzugt, muss also Display und Backcover regelmäßig putzen. Im Gegenzug lässt sich die glatte Rückseite auch wunderbar als Spiegel missbrauchen, so dass man für Selfies nicht länger auf die (schlechtere) Frontkamera angewiesen ist. Das glänzende Schwarz entsteht durch einen kombinierten Eloxier- und Polierprozess, den Apple wie folgt beschreibt:

Das glänzende Finish des iPhone 7 in Diamantschwarz ist das Resultat eines Präzisionsprozesses, bei dem in neun Stufen eloxiert und poliert wird. Die Oberfläche ist genauso hart wie bei anderen eloxierten Apple Produkten. Dennoch können mit der Zeit winzige Abnutzungserscheinungen sichtbar werden. Um dem vorzubeugen, empfehlen wir, eines der vielen Cases zu verwenden, mit denen das iPhone geschützt werden kann.

Dass Apple ausdrücklich ein Case empfiehlt ist neu. Sinn macht der Hinweis aber schon, denn Kratzer sind auf einer glatten Oberfläche viel leichter zu erkennen als auf einer matten. Nichtsdestotrotz ist das satte Schwarz ein echter Hingucker. Das iPhone wirkt wie aus einem Guss, da der Übergang zwischen Display und Gehäuse kaum zu erkennen ist. Auch die Antennensteifen sind nahezu unsichtbar.

Die Rückseite fühlt sich genauso glatt an wie das Display, wodurch das iPhone besser an den Händen haftet. Es scheint fast so als wolle Apple dem Nutzer das Gefühl vermitteln etwas ganz Besonderes gekauft zu haben, denn das iPhone in Klavierlack-Optik bieten die Kalifornier nur mit 128 oder 256 GB Speicher an. Es gibt also kein Einsteiger-Modell mit 32 GB.

Kamera

Bilder sagen bekanntlich mehr als Worte, also findet ihr im folgenden Artikelabschnitt vor allem Fotos. Keine der Aufnahmen wurde nachträglich bearbeitet. Ihr könnt sie nach zwei Klicks in voller Auflösung anschauen und herunterladen.

Die Kamera des iPhone 7 Plus ist mit zwei Objektiven ausgerüstet. Das „normale“ Weitwinkelobjektiv ist identisch mit demjenigen das im iPhone 7 (ohne Plus) verbaut ist. Die Qualität der Bilder kann sich sehen lassen, vor allem im direkten Vergleich mit dem iPhone 6s Plus. Die Farben sind auch bei guten Lichtverhältnissen kräftiger und natürlicher.

Der eigentliche Star ist aber das neue Teleobjektiv. Es vergrößert optisch um den Faktor 2 so dass Objekte größer bzw. nicht mehr so weit entfernt erscheinen.

Die Funktion punktet nicht nur beim Sightseeing, sondern kann auch für Makro-Aufnahmen eingesetzt werden. Je kürzer der Abstand zwischen Objekt und Kamera ist, desto unschärfer wird der Hintergrund. Dies lässt Bilder plastischer wirken und haucht ihnen Leben ein.

Doch es gibt nicht nur Positives von der Kamera zu berichten. Derzeit wird ein Video-Fehler diskutiert, der sich beim plötzlichen Wechsel von einem sehr dunklen zu einem sehr hellen Hintergrund zeigt. Vermutlich handelt es sich hier nur um einen Software-Bug, der sich per Update beheben lassen sollte. Das im folgenden Video gezeigte Verhalten ließ sich auf unserem Testgerät reproduzieren. Außerdem regierte die Kamera-App zeitweise sehr träge, was sich aber durch einen Neustart der Anwendung beheben ließ.

Lautsprecher

Apple gibt an, dass sowohl das iPhone 7 als auch das 7 Plus Stereo-Sound ausgeben. Rein technisch betrachtet ist dies korrekt, denn der zweite Lautsprecher der zur Wiedergabe eingesetzt wird, sitzt am oberen Ende des Displays und wird normalerweise beim Telefonieren ans Ohr gehalten. Für den Nutzer stellt sich trotzdem kein hörbarer Stereo-Effekt ein, da der Abstand zwischen den beiden Lautsprechern viel zu klein ist. Apple scheint auch nicht zu erwarten dass jemand tatsächlich das iPhone quer in der Hand hält und dabei Musik hört, denn dann hätte man in Cupertino nicht vergessen der hauseigenen Musik-App einen Landscape-Modus zu spendieren. Der versprochene Stereo-Genuss ist also nichts weiter als ein Marketing-Gag an den nicht einmal Apple glaubt.

Wer häufiger Videos schaut wird sich trotzdem über den zweiten Lautsprecher freuen, denn ein versehentlich falsch platzierter Handballen reicht nun nicht mehr aus um den persönlichen Lieblings-Youtuber zum Schweigen zu bringen. Auch klanglich wurde aus den neuen Lautsprechern mehr herausgeholt. Der Sound ist weniger dumpf, mit klareren Höhen und lässt sogar ein ganz kleines bisschen Bass erahnen. Für echten Musikgenuss greift man aber besser zu den mitgelieferten Lightning-Ohrhörern.

Letztere klingen nicht besser oder schlechter als Apples alte EarPods mit Klinkenstecker. Dafür passt der Lightning-Anschluss derzeit an kein MacBook und keinen iMac. Passt also gut auf den Klinken-Adapter auf, welchen Apple jedem iPhone 7 und 7 Plus beilegt. An ältere iOS-Geräte (bis zum iPhone 5) können die Lightning-EarPods dagegen problemlos angeschlossen werden.

Home-Taste

Der Home-Button wie wir ihn kennen ist Geschichte. Das neue iPhone verfügt nur noch über eine Sensor-Fläche die zwar genauso aussieht wie ein Home-Button und auch per Vibration ein Klick-Feedback simuliert, doch mechanisch herunter drücken lässt sich das kreisrunde Feld nicht mehr. Wie stark der vorgegaukelte Klick ausfällt, kann man in den iOS-Einstellungen selbst festlegen. Eine Umgewöhnung ist nicht erforderlich.

Im Netz kursierten bereits Gerüchte man könne die neue Home-Taste nicht mit Handschuhen bedienen. Das stimmt zwar, doch gilt das Gleiche für den iPhone-Bildschirm. Wer dagegen bereits Touchscreen-kompatible Fingerwärmer zu Hause hat, kann auch den neuen Home-Button problemlos damit bedienen. Das iPhone fragt nämlich sowohl den mechanischen Druck auf das Sensorfeld ab, als auch den ringförmigen Touch-ID-Kontakt, der die Home-Taste umschließt. Handschuhe mit leitfähiger Oberfläche funktionieren daher auch weiterhin.

#Hissgate

Ein iPhone-Verkaufsstart ohne ein neues „Gate“? Undenkbar! Wie jedes Jahr sucht die Fach- und Regenbogenpresse nach dem Haar in der Suppe und hat sich diesmal auf ein ziemlich belangloses Phänomen eingeschossen. Der als Hissgate bezeichnete Pseudo-Skandal lebt von der Behauptung, dass das iPhone 7 bzw. 7 Plus bei ausgelastetem Prozessor zischende Geräusche von sich gäbe. Hält man das Gerät mit der Rückseite als Ohr, kann man tatsächlich ein sehr leises Knistern und Fiepen wahrnehmen. Zum Vergleich habe ich meine Armbanduhr ebenfalls ans Ohr gehalten. Letztere tickte um ein Vielfaches lauter. Welche elektronische Komponente die Geräusche erzeugt, ist derzeit noch unklar. Fakt ist aber, dass auch ältere iPhones ähnliche Töne von sich geben, was aber offenbar noch niemandem aufgefallen ist. Beim Telefonieren oder in leiser Umgebung sind keine Störgeräusche wahrnehmbar. Dafür waren Videoaufnahmen in einer komplett geräuschlosen Umgebung mit einem fiependen Hintergrundrauschen unterlegt, welches aber nicht zwingend mit Hissgate im Zusammenhang stehen muss. Aber hört selbst:

Wasserdichtigkeit

Da Apple das iPhone 7 / 7 Plus lediglich als gegen Spritzwasser geschützt bewirbt, betrachte ich das Gerät nicht als wasserdicht. Der Elektronikkonzern weist sogar im Kleingedruckten darauf hin, dass Flüssigkeitsschäden nicht von der Garantie abgedeckt sind. Dass das iPhone in der Praxis sehr viel mehr aushält, haben Tests bereits bewiesen. Die Frage ist nur ob der Schutz gegen eindringendes Nass auch dauerhaft gewährleistet ist, oder durch die tägliche Nutzung abnimmt.

Apple schreibt:

Das iPhone 7 und das iPhone 7 Plus sind vor Spritzwasser und Staub geschützt und wurden unter kontrollierten Laborbedingungen getestet. Sie sind nach IEC Norm 60529 unter IP67 klassifiziert. Der Schutz vor Spritzwasser und Staub ist nicht dauerhaft und kann mit der Zeit als Resultat von normaler Abnutzung geringer werden. Ein nasses iPhone darf nicht geladen werden. Im Benutzerhandbuch befindet sich eine Anleitung zum Reinigen und Trocknen. Die Garantie deckt keine Schäden durch Flüssigkeiten ab.

Fazit

Die Kamera mit Doppel-Objektiv ist das eigentliche Highlight des iPhone 7 Plus. Sie macht nicht nur qualitativ gute Aufnahmen, sondern animiert auch zu künstlerischen Experimenten mit der Zoom-Funktion. Apple hat außerdem ein Software-Update für die Kamera-App angekündigt, welches einen Portrait-Modus nachliefern soll. Bis es so weit ist, werden sicher die ersten App-Entwickler ihre Foto-Applikationen angepasst haben. Man darf gespannt sein welche zusätzlichen Wow-Effekte sie aus der neuen Kamera herausholen.

Das Leistungsplus und der bessere Schutz gegen Wasser gehören zwar in die Kategorie „Nice to Have“, rechtfertigen aber bei weitem kein Upgrade falls bereits ein iPhone 6s, 6s Plus oder SE im Haus vorhanden ist.

Verfügbarkeit (Stand: September 2016)

Apples jüngste Smartphone-Generation ist überraschend schwer zu bekommen. Wer heute ein iPhone 7 Plus in der neuen Farbe Diamantschwarz bestellen will, muss mit einer Wartezeit von 4-5 Wochen rechnen. Ob nun künstliche Verknappung dahinter steckt, Schwierigkeiten bei der Produktion, oder eine unerwartet große Nachfrage, lässt sich derzeit noch nicht abschätzen. Vor allem beim Plus-Modell sind die Bestände sehr dünn. Nach Aussage eines Apple-Store-Mitarbeiters hat das Ladengeschäft am Hamburger Jungfernstieg für den Verkaufsstart nur zwanzig 5,5-Zoll-Geräte geliefert bekommen. Das macht pro Farbvariante also gerade einmal vier iPhone 7 Plus.  Laut Berichten des Vloggers Helge Bruhn sah es in Berlin zwar insgesamt besser aus was die Anzahl der Geräte anging, doch iPhones in Diamantschwarz konnte der langjährige Apple-Fan sowohl unter den ausgestellten als auch unter den zum Verkauf vorbereiteten Smartphones nicht ausmachen. Auch ich war von den Lieferschwierigkeiten betroffen. Trotz minutengenauer Vorbestellung am 9. September um 9:01 Uhr gab Apple den 26. September als frühesten Liefertermin an. Ganz so dramatisch fiel die Verzögerung dann doch nicht aus. Bereits am 20. September trudelte das iPhone 7 Plus in Diamantschwarz bei mir ein.

Wer jetzt ein iPhone 7 oder 7 Plus bestellen möchte, ohne lange Wartezeiten in Kauf zu nehmen, hat im Grunde nur zwei Optionen. Entweder man durchforstet den Schwarzmarkt auf eBay und eBay Kleinanzeigen und akzeptiert die teils saftigen Preisaufschläge der dort aktiven Privatverkäufer, oder man prüft regelmäßig Apples Reservierungs-Website. Auf letzterer könnt ihr nachsehen in welchem Apple Store welches iPhone-Modell verfügbar ist und es anschließend zur Abholung reservieren.

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