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Warum hat das iPhone 7 keinen Kopfhörer-Anschluss?

Eigentlich ist die Überschrift zu diesem Beitrag irreführend. Natürlich hat auch Apples neues iPhone 7 eine Anschlussmöglichkeit für Kopfhörer, nämlich die Lightning-Buchse. Nichtsdestotrotz hat der Wegfall der 3,5-mm-Klinkenbuchse für sehr viel Aufsehen gesorgt. Apple habe die nach elektrotechnischen Maßstäben fast schon antike Schnittstelle aus Platzgründen weggelassen,  so lautet die weit verbreitete Meinung. Doch es gibt noch schwerwiegendere Argumente.

Wasserdichtigkeit

Beim Thema Wasser ist Apple sehr vorsichtig. Das iPhone 7 ist zwar offiziell nach Schutzart IP67 zertifiziert und übersteht somit zeitweiliges Untertauchen, doch in Cupertino hat man sich entschlossen das iPhone lediglich als gegen Spritzwasser geschützt zu bewerben.

Apple schreibt hierzu:

Das iPhone 7 und das iPhone 7 Plus sind vor Spritzwasser und Staub geschützt und wurden unter kontrollierten Laborbedingungen getestet. Sie sind nach IEC Norm 60529 unter IP67 klassifiziert. Der Schutz vor Spritzwasser und Staub ist nicht dauerhaft und kann mit der Zeit als Resultat von normaler Abnutzung geringer werden. Ein nasses iPhone darf nicht geladen werden. Im Benutzerhandbuch befindet sich eine Anleitung zum Reinigen und Trocknen. Die Garantie deckt keine Schäden durch Flüssigkeiten ab.

Apple garantiert also im Kleingedruckten keine Wasserdichtigkeit, muss aber dennoch einer möglicherweise enttäuschten Nutzerschaft entgegen wirken. Das iPhone 7 ist daher sehr viel besser gegen Wasser geschützt als man angesichts Apples Einschränkungen erwarten würde. Wie das folgende Youtube-Video anschaulich vor Augen führt, überlebt ein iPhone 7 sogar einen kurzzeitigen Tauchgang auf etwa 10 m Wassertiefe, ganz im Gegensatz zum ebenfalls als wasserdicht beworbenen Samsung Galaxy S7. Der Clou: Samsung gibt an das Gerät sei nach IP68 zertifiziert, was einer höheren Schutzstufe im Vergleich zum iPhone 7 entspricht. Dass das Android-Smartphone den Härtetest nicht übersteht, beweist dass Apples Ingenieure sorgfältiger abgewogen haben wie sie ihr Produkt gegen Wasser schützen können. Das Weglassen des 3,5-mm-Klinkensteckers wird ein Resultat dieser Überlegungen gewesen sein, denn der bei der täglichen Nutzung mechanisch stark belastete Anschluss ist eine potentielle Dichtigkeitsschwachstelle.

Strategische Entscheidungen

Letztlich wird sich Apple aber auch aus strategischen Gründen gegen die klassische Klinkenbuchse entschieden haben. Der Elektronikkonzern muss neue Geschäftsfelder auftun um seine Umsätze weiter steigern zu können. Daher baut Apple nach und nach sein Zubehör-Geschäft aus. Der drei Milliarden Dollar teure Kauf der Kopfhörer-Marke Beats im Jahr 2014 ist ein deutliches Indiz für die neue Strategie. Mit den kabellosen AirPods, die im Oktober zum Verkauf freigegeben werden, bietet Apple erstmals hochwertige Ohrhörer mit eigenem Logo an. Innerhalb der nächsten Monate bekommt auch das Beats-Portfolio ein Hardware-Update um das Koppeln der drahtlosen Hörer mit iOS-Geräten zu vereinfachen.

Apples Entschluss kabelgebundene Audio-Signale nur noch via Lightning zu übertragen, wird auch Auswirkungen auf die Kopfhörer-Branche haben. In den nächsten Monaten werden wir einige neue Lightning-Modelle in den Online- und Offline-Geschäften aufpoppen sehen. Das stärkt die Bedeutung von Apples proprietärer Schnittstelle. Und wer sich erst einmal mit hochwertigen Lightning-Hörern eingedeckt hat, wird sich nicht so schnell ein Smartphone der Konkurrenz zulegen.

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