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Kaufberatung: Welcher Kopfhörer ist der richtige?

Die Auswahl an Kopfhörern ist überwältigend. Es gibt sie mit und ohne Kabel, mit und ohne Geräuschunterdrückung, ohraufliegend, ohrumschließend oder im Ohr sitzend. Jede Bauform hat Auswirkungen auf den Klang, den Tragekomfort und natürlich auch den Preis. Den richtigen Kopfhörer zu finden ist daher ein Prozess der niemals endet, denn mit den sich ändernden Lebensgewohnheiten ändern sich auch die Anforderungen an den begleitenden Hörer.

Diese Kaufberatung soll einen kompakten Überblick bieten welche Arten von Kopfhörern erhältlich sind und wo die jeweiligen Vor- und Nachteile liegen.

In-Ear

Jeder iPhone-Besitzer hat sie zu Hause, die Apple EarPods. Sie bieten vergleichsweise guten Klang für kleines Geld (35 Euro), haben jedoch klangliche Schwächen bei tiefen Frequenzen. Das liegt an der Bauform der EarPods, welche das Wahrnehmen von Umgebungsgeräuschen noch zulässt. Dieser vermeintliche Nachteil kann sich im Straßenverkehr als wahrer Lebensretter erweisen.

Ohrhörer die den Gehörgang mit Silikon- oder Schaumstoffpolstern abdichten liefern dagegen deutlich sattere Bässe (z. B. Sennheiser Momentum, 100 Euro). Sie schirmen störende Umgebungsgeräusche wie zum Beispiel Fahrzeuglärm gut ab und lassen so mehr Details von der gehörten Musik erkennen. Anfangs muss man sich jedoch an diese Art von In-Ears erst gewöhnen. Mancher empfindet es auch dauerhaft als unangenehm wenn die Ohren zugestöpselt sind. Beim Gehen und vor allem beim Sport können die unvermeidlichen Kabelgeräusche allerdings sehr nervig werden. Stößt das Kabel gegen den Körper, übertragen sich die Vibration bis ins Ohr und werden dort als dumpfe Schläge wahrgenommen. Reibt das Kabel dagegen an der Kleidung, raschelt es unangenehm im Gehörgang. Hochwertige Ohrhörer verfügen daher über ein verdrilltes Kabel, welches diesen unerwünschten Kabellärm etwas dämpft. Besser sind Halteclips (wie beim etymotic hf5, ca. 130 Euro), mit denen das Kabel an der Kleidung befestigt wird. Eine gute Lösung sind auch Ohrhörer bei denen das Kabel auf den Ohren abgelegt wird, wie zum Beispiel bei den Westone W30 (ca. 400 Euro). Letztere verfügen im Gegensatz zu normalen Stöpsel nicht über je einen „Lautsprecher“ pro Ohr, sondern über je drei. Jeder dieser Audio-Treiber kümmert sich um einen bestimmten Frequenzbereich so dass trotz der geringen Größe ein sehr ausgewogener Klang entsteht.

Over-Ear / On-Ear

Over-Ear-Kopfhörer (z. B. Bowers & Wilkins P7, 350 Euro) umschließen das Ohr und bieten daher eine bessere Isolierung vor Umgebungsgeräuschen als On-Ear-Hörer. Sie bieten auch einen angenehmeren Tragekomfort, da sie nicht auf die Ohren drücken. Dafür sind sie aber deutlich größer und schwerer als ihre On-Ear-Geschwister und unter der Hörmuschel wird es nach längerem Musikgenuss schon mal warm.

Bowers & Wilkins P7 03

Vor allem im Sommer sind On-Ear-Kopfhörer deshalb angenehmer zu tragen. Längeres Hören kann allerdings zu schmerzenden Ohren führen, da die Ohrpolster direkt auf die Horchlappen drücken. Von der Umgebung bekommt man ebenfalls mehr mit als bei Over-Ear-Modellen. Für Vielreisende sind On-Ears dennoch häufig die bessere Entscheidung, da sie weniger Platz benötigen und schnell mal in der Aktentasche verschwinden (z. B. Bowers & Wilkins P3, 100 Euro). Zu laut sollte man sie jedoch nicht aufdrehen, denn die offenere Bauweise lässt auch die Sitznachbarn mithören.

Brillenträger haben mit beiden Bauformen häufig Probleme, da die Hörmuscheln auf die Bügel der Brille drücken können. Da hilft nur Ausprobieren im Ladengeschäft.

Noise Canceling

Vor einigen Jahren waren Kopfhörer mit Noise Canceling noch extrem teuer. Inzwischen ist die aktive Umgebungsgeräusch-Unterdrückung ein beliebtes Feature in der Mittel- und Oberklasse. Noise Canceling war ursprünglich eine militärische Technologie und wurde zur Reduzierung von Flugzeuglärm eingesetzt. Diesen Zweck erfüllt die auf Antischall basierende Technik auch heute noch hervorragend. Vor allem monotone Geräusche im niedrigen Frequenzbereich lassen sich damit gut filtern. Wer also viel im Flieger unterwegs ist, oder mit Bus und Bahn pendelt, kann so seine Umgebung akustisch ausblenden. Mittlere und hohe Frequenzen (z. B. Kindergeschrei) werden dagegen kaum abgeschwächt. Ein beliebter On-Ear-Kopfhörer mit Noise Canceling ist zum Beispiel der B&O Play H8 (500 Euro).

BeoPlay H8 Baum

Noise Canceling hat leider ebenfalls Nachteile. So erzeugen alle mir bekannten NC-Hörer ein leises Grundrauschen bei aktiviertem Antischall. Dieses hört man allerdings nur bei sehr leisen Musikpassagen in ruhiger Umgebung. Manche Menschen beklagen sich außerdem über eine Art Druckgefühl auf den Ohren. Natürlich erzeugen die Kopfhörer nicht wirklich Druck, doch die plötzlich veränderte Akustik kann das Gehör verwirren.

Lightning

Nach aktueller Gerüchtelage könnte Apple bei der nächsten iPhone-Generation auf die gute alte 3,5-mm-Klinkenbuchse verzichten. Sollte sich dies bewahrheiten, würden Audio-Signale zukünftig nur noch via Bluetooth oder über die Lightning-Schnittstelle übertragen werden. Erste Hörer mit Lightning-Stecker gibt es bereits zu kaufen. Oft ist die alternative Anschlussmöglichkeit jedoch eher ein Marketing-Gag als ein nützliches Feature. Hörbare Klangverbesserungen sind nämlich nicht zu erwarten, da die Digital-Analog-Wandlung des Audio-Signals lediglich vom iPhone in den Kopfhörer verlagert wird. Letzteres bedeutet aber noch lange nicht, dass der D/A-Wandler im jeweiligen Kopfhörer-Modell einen besseren Job macht als das Apple-Smartphone. Zudem wird der Kopfhörer teurer.

Im Gegenzug bieten sich aber neue Möglichkeiten für audiophile Nutzer. Das Beispiel des Audeze EL-8 zeigt, dass selbst Kopfhörerverstärker mit ins Lightning-Kabel integriert werden können (Preis: 900 Euro). Insgesamt ist die Auswahl an Lightning-Hörern aber noch recht überschaubar. Eines der ersten Modelle auf dem Markt war der Philips Fidelio M2L (Preis: 280 Euro). Interessant erscheint auch der angekündigte Libratone Q Adapt, ein In-Ear-Hörer der zusätzlich mit Noise Canceling ausgestattet ist. Er wird vom iPhone mit Strom versorgt und kommt daher im Gegensatz zu anderen NC-Kopfhörern ohne eigenen Akku aus.

Bluetooth

Bei Bluetooth-Kopfhörer gibt es sehr große Klangunterschiede. Dies liegt nicht nur an den baulichen Eigenschaften der verschiedenen Hörern, sondern auch an den verwendeten Audio-Codecs mit denen das Signal kodiert wird. Da das Thema sehr umfangreich ist, haben wir hierzu einen eigenen Beitrag verfasst.

Wenn ihr die Kopfhörer in erster Linie am iPhone und iPad benutzen wollt, achtet darauf, dass sie den AAC-Codec unterstützen. Auf der Rückseite der Verpackung oder auf der Website des Herstellers findet ihr die entsprechenden Angaben. Soll der Kopfhörer dagegen mit einem Mac gekoppelt werden, müsst ihr nach dem aptX-Codec Ausschau halten. Bluetooth-Kopfhörer die beide Standards unterstützen sind zum Beispiel der B&O Play H7 (450 Euro) und der Bowers & Wilkins P5 Wireless (300 Euro).

BeoPlay H7 01Sport

Sportliche Aktivitäten stellen eine besondere Herausforderung für Kopf- und Ohrhörer dar. Die Hörer müssen gut in oder auf den Ohren sitzen, damit sie nicht herunterfallen. Des Weiteren darf Schweiß das Gerät weder verunstalten (Leder ist tabu), noch beschädigen. Nach eigener Erfahrung eignen sich In-Ear-Modelle für Sport besser als Bügelkopfhörer. Sie sind leichter und es gibt keine Hörmuscheln unter denen man schwitzt. Auch Kabel sind eher störend.

The Dash 03

Die The Dash (300 Euro) von Bragi erfüllen diese Kriterien und bringen zusätzlich Tracking-Funktionen für zurückgelegte Distanzen und den Herzschlag mit. Ein integrierter Speicher macht’s möglich dass das iPhone beim Sport zu Hause bleiben kann. Sogar Schwimmen ist mit den wasserdichten In-Ears möglich.

Fazit

DEN EINEN Kopfhörer der alle anderen schlägt, gibt es nicht. Seinen persönlichen Favoriten findet man nur durch viel Probehören und Probetragen. Am besten sucht ihr euch 3-5 Lieblingssongs aus, die einen repräsentativen Querschnitt durch eure Musiksammlung darstellen, und speichert sie auf eurem iPhone. Wenn ihr dann Kopfhörer in freier Wildbahn testet, spielt ihr immer diese 3-5 Songs ab, so dass ihr einen vergleichbaren Klangeindruck erhaltet.

Der Tragekomfort sollte beim Ausprobieren nicht vergessen werden. Drückt der Kopfhörer nach einiger Zeit? Wird es schnell warm unter den Hörmuscheln? Ist das Modell sehr schwer? Habt ihr auch das berücksichtigt, stehen die Chancen gut dass ihr an eurem neuen Kopfhörer viel Freude haben werdet.

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