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The Dash: Der komplett kabellose Sport-Ohrhörer

Es fällt nicht gerade leicht zu beschreiben um was es sich bei „The Dash“ eigentlich handelt. Das Gerät ist das Ergebnis eines der erfolgreichsten Kickstarter-Projekte überhaupt und stellt eine Mischung aus drahtlosem Ohrhörer und Fitness-Tracker dar. Hersteller Bragi bezeichnet seine Kreation recht passend als „Hearable“ und spielt damit auf die intelligenten Zusatzfunktionen des Audio-Gadgets an.

Auch ich habe mich damals an der Kickstarter-Kampagne im Februar 2014 beteiligt. Insgesamt knapp 3,4 Millionen US-Dollar sammelten die Bragi-Gründer für ihre Produktidee ein. Den fast 16.000 Kleininvestoren versprach man damals, dass die ersten The Dash bereits im Oktober des selben Jahres ausgeliefert werden sollten. Doch es kam anders. Immer wieder neue Probleme warfen das Projekt im Zeitplan zurück. Mit einer Verzögerung von 16 Monaten wurden schließlich die ersten Kickstarter-Nutzer doch noch beliefert. Wer sich wie ich für die weiße Version entschied, musste eine noch längere Wartezeit in Kauf nehmen.

Auch bei mir ist The Dash inzwischen eingetroffen, so dass ich euch meine Eindrücke schildern kann. Das Hearable verströmt jede Menge Coolness, auch wenn vor allem auf Seiten der Software noch nicht alles rund läuft. Die Entwickler stricken permanent an der Firmware und rüsten erst sukzessive die in der Kickstarter-Kampagne versprochenen Funktionen nach. Obwohl die Verarbeitung insgesamt als „gut“ bezeichnet werden muss, sind die Verbindungsstellen des Gehäuses gut sichtbar. Die Funktion oder den Tragekomfort beeinträchtigt dies aber keineswegs. Im Gegenteil: Die schlauen Hörer sitzen nahezu perfekt in meinen Ohren. Wer größere Lauscher hat, findet in der Produktverpackung drei unterschiedlich große Paare von sogenannten „Fit Sleeves“, welche über die In-Ears gezogen werden um einen besseren Halt zu ermöglichen. Die Silikon-Überzüge reduzieren auch das unangenehme Drücken, welches sich nach einem längeren Tragen der Ohrhörer zwangsläufig einstellt.

Länger als 3-4 Stunden hält der Akku von The Dash aber ohnehin nicht durch. Danach müssen die komplett kabellosen Stöpsel wieder zum Aufladen in ihre Docking-Station. Letztere ist gleichzeitig das Transport-Case für das knapp 300 Euro teure Gadget. Bis zu 5 Aufladevorgänge sollen laut Bragi möglich sein. Danach muss auch die Transportbox ans mitgelieferte Micro-USB-Ladekabel.

The Dash stellt zwei drahtlose Verbindungen her. Zum Einen kommunizieren der linke und der rechte Hörer miteinander, um Audio- und Bewegungsdaten auszutauschen. Der rechte Stöpsel baut zusätzlich eine Bluetooth-Verbindung zu eurem iPhone auf. Letztere soll laut einigen Nutzern leicht zu stören sein, so dass es regelmäßig zu Ton-Aussetzern komme, vor allem wenn keine Sichtverbindung zwischen The Dash und Smartphone bestehe. Im Selbstversuch konnte ich nichts dergleichen feststellen. Die Bluetooth-Verbindung blieb auch durch Wände und Türen hindurch robust, so lange man einen Radius von bis zu 5 Metern einhielt. Bei größeren Distanzen können Musik-Unterbrechungen entstehen, jedoch sind derartige Reichweitenbeschränkungen für Bluetooth-Geräte völlig normal.

Weniger gut gefiel mir dagegen der Sound von The Dash. Die Ohrhörer fabrizieren ein matschiges Klangbild, mit eher unauffälligen Bässen und äußerst mageren Höhen. Zudem ist ein deutliches Hintergrundrauschen in ruhiger Umgebung hörbar. Hier gibt es im Preisbereich bis 100 Euro deutlich bessere Stöpsel, aber die sind eben nicht komplett kabellos. Gut gelungen ist dagegen der sogenannte Transparency Mode, der bei Bedarf am linken Hörer aktiviert wird. Er verstärkt Umgebungsgeräusche, so dass man sich trotz The Dash im Ohr gut mit anderen Menschen unterhalten kann. Man könnte dieses Feature auch als „Hörgerät-Funktion“ bezeichnen, was natürlich weniger verkaufsfördernd klingt. Hört man nur leise Musik, zum Beispiel auf der Arbeit, bekommt man weiterhin mit was um einen herum passiert. Zwei seitlich eingebaute Mikrofone ermöglichen diesen Trick. Ohne Transparenz-Feature überrascht The Dash mit einer guten (passiven) Lärmisolierung.

Bedient wird The Dash komplett über Touch-Gesten. Während das Wischen am linken Stöpsel die Umgebungsgeräusche ins Audio-Signal ein- bzw. ausblendet, wird am rechten Hörer die Lautstärke reguliert. Die Navigation durch Playlists, die entweder auf eurem iPhone liegen, oder direkt auf The Dash abgelegt werden können, erfolgt ebenfalls auf dem rechten Dash. Hier muss allerdings mit dem Finger getippt werden. Einfaches Tippen startet oder stoppt die Wiedergaben. Zweifaches Tippen springt zum nächsten Song, dreifaches zum vorherigen. Song-Zapper werden mit The Dash aber auf Dauer keine Freude haben, denn das Tippen muss zackig erfolgen. Regelmäßige Fehleingaben sind die Folge. Nerviger sind allerdings die dabei im Ohr entstehenden Geräusche, denn die Ohrpolster sitzen direkt im Gehörgang.

The Dash verfügt über 4 GB internen Speicher. Davon lassen sich rund 3,8 GB mit Musik befüllen. Die Songs dürfen aber natürlich keinen Kopierschutz aufweisen und kriechen mit mageren 0,6 MB/s auf den integrierten Speicher. Das Aufspielen einiger Alben kann da schon zu einer abendfüllenden Veranstaltung werden. Als Dateitypen werden MP3 und AAC gleichermaßen unterstützt. Sind die Ohrhörer mit Musik befüllt, kann das iPhone beim Sport zu Hause bleiben. Sogar Schwimmen ist möglich, denn The Dash ist laut Bragi bis zu einer Tiefe von 1 Meter wasserdicht.

Obwohl klanglich noch viel Luft nach oben ist, macht das drahtlose Musikhören mit den Hearables Spaß. Das liegt vor allem daran, dass The Dash sofort nach dem Einsetzen ins Ohr die Bluetooth-Verbindung zum iPhone aufbaut. Nimmt man die Stöpsel nur kurz aus dem Ohr, startet sogar die Wiedergabe automatisch an der zuletzt gespielten Stelle. Umgekehrt stoppt die Wiedergabe sobald man den rechten Hörer aus dem Ohr nimmt. Entfernt man dagegen nur den linken, kann man rechts weiter lauschen.

Die nur auf Englisch verfügbare Begleit-App ist für Firmware-Updates und die Auswertung der Fitness-Funktion zuständig. Aktuell lassen sich die Herzfrequenz, die Dauer eines Trainings, die verbrannten Kalorien, die zurückgelegte Strecke, sowie die erklommenen Stufen auswerten. Blöd ist jedoch, dass das Aufzeichnen von Trainingseinheiten immer erst manuell via App gestartet werden muss. Bragi hat einen weiteren Ausbau der Features bereits versprochen. Dass noch einiges möglich ist, beweisen die aktuellen Makro-Funktionen fürs Telefonieren. Durch ein Kopfnicken bzw. -schütteln lassen sich eingehende Anrufe annehmen respektive ablehnen. Selbst definierbare Gesten sind da nur der nächste logische Schritt.

Fazit

The Dash ist eines der interessantesten Gadgets des Jahres, auch wenn noch einige Kinderkrankheiten auszubügeln sind. Der Preis von 300 Euro wirkt auf den ersten Blick fair, jedoch sollte man sich klar machen, dass der integrierte Akku nicht wechselbar ist. Die Lebensdauer der Hörer ist also direkt mit der Lebensdauer der Batterie verknüpft.

Wer nur Musik hören möchte, sollte lieber auf alternative Kopfhörer ausweichen, da die Klangqualität von The Dash noch verbesserungswürdig ist. Als treuer Sport-Begleiter macht das intelligente Bragi-Produkt aber  eine gute Figur, nicht zuletzt wegen der (sichtbaren) Extraportion „Coolness“ im Ohr.

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