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iPad Pro: Nischenprodukt mit großen Ambitionen

Ab sofort kann das iPad Pro bestellt werden. Apple will mit der neuen Flachrechner-Generation wieder frischen Wind ins schrumpfende Tablet-Geschäft bringen, doch ob das Vorhaben gelingt, ist fraglich. Die Möglichkeit mit dem separat erhältlichen Apple Pencil auf dem riesigen 12,9″ Display sehr viel genauere Zeichnungen anzufertigen als bisher, dürfte zwar in der Kreativ-Branche sehr gut ankommen, doch für den Normal-User bleiben unterm Strich nur wenige Neuerungen.

Keine Frage, das iPad Pro beinhaltet einige technische Raffinessen. Beispielsweise passt sich die Bildwiederholrate dem Display-Inhalt an um Strom zu sparen. Außerdem kommt das Tablet mit einem 4-Lautsprecher-System, welches in das Gehäuse integrierte Hohlräume nutzt um Bass zu erzeugen. Des Weiteren stellt ein neuer Anschluss namens „Smart Connector“ Strom für externes Zubehör bereit. Hier wird auch Apples Smart Keyboard angeschlossen, welches ohne eigenen Akku auskommt und daher auch nicht geladen werden muss.

Nimmt man diese technischen Kniffe aber genauer unter die Lupe, bleibt von der ursprünglichen Faszination wenig übrig. So ist das Verringern der Bildwiederholrate letztlich nur ein Kompromiss um die für iPads üblichen 10 Stunden Akkulaufzeit überhaupt erreichen zu können. In der Praxis könnte dies bedeuten, dass ein iPad Air 2 bei Spielen oder Filmen spürbar länger durchhält als ein iPad Pro. Das neue Soundsystem wird mit Sicherheit einen guten Klang abliefern. Wer aber denkt Apple würde die 4 Lautsprecher nutzen um Surround-Sound zu erzeugen, der irrt. Während für die Bass-Produktion alle 4 Lautsprecher zum Einsatz kommen, werden hohe Töne nur von 2 Klangerzeugern generiert. Schade. Welches intelligente Zubehör sich zukünftig am Smart Connector mit Energie versorgen darf, ist noch offen. Apples Smart Keyboard wird es zumindest für deutschsprachige Nutzer nicht sein, denn die fast 180 Euro teure Tastatur ist nur mit US-Layout zu haben (QWERTY). Vielschreiber müssen sich also nicht nur bei der Position von Z und Y umgewöhnen, sondern auch auf Umlaute (Ä, Ö, Ü) und ß verzichten.

Die ungewohnte Größe und das Gewicht von immerhin mehr als 700 Gramm lassen das iPad Pro deutlich weniger mobil erscheinen als seine Geschwister. So ist beispielsweise das iPad Air 2 fast 40% kleiner und leichter. Das iPad mini 4 bringt sogar 60% weniger auf die Waage. Beide Schwestermodelle sind zudem deutlich preisgünstiger. Während das iPad Pro bei 899 Euro startet (32 GB ohne LTE), werden nur 489 Euro für ein iPad Air 2 mit 16 GB fällig. Das iPad mini 4 liegt weitere 100 Euro darunter. Noch schmerzlicher wird es für Power-User. Ein iPad Pro mit 128 GB und LTE-Modul kostet 1229 Euro. Überhaupt gibt es das bisher größte iPad nur mit dieser Speicherausstattung, falls man auf mobiles Internet angewiesen ist. Ein gleichwertig ausgestattetes iPad Air 2 ist stolze 420 Euro günstiger. Woher der enorme Preisunterschied kommt, ist für mich persönlich nicht nachvollziehbar.

Neben kreativen Köpfen könnten aber zumindest Gamer mit dem iPad Pro glücklich werden. Die Grafikleistung des A9X-Chips soll trotz der stattlichen Bildschirmauflösung von 2732 x 2048 Pixel doppelt so groß sein wie beim iPad Air 2. Man munkelt außerdem dass dem 12,9″-Boliden 4 GB RAM zur Verfügung stehen. Offiziell bestätigt ist dies aber noch nicht.

Fazit

Das iPad Pro ist meiner Ansicht nach eher ein Nischenprodukt und dürfte weniger die breite Masse ansprechen. Die Preisgestaltung dürfte einen erheblichen Teil dazu beitragen. Apps welche die enorme Leistung des neuen Apple-Tablets ausnutzen sind auf absehbare Zeit nicht zu erwarten, da die meisten Entwickler ihre Anwendungen für Geräte optimieren, welche bereits eine große Verbreitung erreicht haben. Ein aktuelles Beispiel ist das iPhone 6 Plus. Mehr als 1 Jahr nach dem Verkaufsstart des ersten 5,5″-iPhones gibt es fast keine Apps, welche den zusätzlichen Bildschirmplatz ausnutzen. Dem iPad Pro droht ein ähnliches Nischendasein.

Wer dennoch ein iPad Pro und einen Apple Pencil online bestellen möchte, und eine Lieferverzögerung vermeiden will, sollte den digitalen Stift separat ordern. Derzeit beträgt die Lieferzeit für den Stylus nämlich 1-2 Wochen, die fürs iPad Pro dagegen nur wenige Tage.

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