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Apple TV 4: Jede Menge Baustellen trüben den Spaß

Auf das neue Apple TV habe ich mich ganz besonders gefreut. Die kleine schwarze Schachtel ist laut Apple nichts anderes als „Die Zukunft des Fernsehens“. Nüchtern betrachtet bringt die Set-Top-Box lediglich Apps auf die Mattscheibe. Der Fernseher wird zum Bildschirm für eine Art Unterhaltungs-Computer degradiert. Die Verschmelzung von alten und neuen Medien bleibt also weiterhin Zukunftsmusik, genauso wie interaktive Sendungen, auf die der Zuschauer per Fernbedienung Einfluss nehmen kann.

Was bringen Apps auf dem Fernseher? Braucht man neben iPhone, iPad und Mac wirklich ein weiteres Gerät auf dem die einschlägigen Nachrichten-, Wetter- und Unterhaltungs-Portale laufen? Diese Frage habe ich für mich persönlich mit einem klaren Nein beantwortet. Doch da sind ja auch noch hunderttausende von iOS-Spielen, die mittels App-Update auf dem Fernseher landen könnten.

Sie sind es vor allem die für mich den Reiz von Apples Set-Top-Box ausmachen. Die TV-Erweiterung betrachte ich als Spielkonsole für die bereits unzählige App Store-Klassiker existieren. Letztere müssen lediglich auf Fernseher-Format und Controller-Bedienung angepasst werden. Beispielsweise kann man das preisgekrönte Rollenspiel Oceanhorn schon heute auf iPhone, iPad und Apple TV 4 spielen. Da es sich um eine Universal-Anwendung handelt, zahlt man nur einmal. iCloud-Spielstände werden aber leider nicht vom Apple TV abgerufen.

Controller-Chaos

Noch viel spannender finde ich die Möglichkeit gemeinsam mit Freunden zu zocken. Dass Multiplayer-Sessions am Apple TV prinzipiell möglich sind, haben die Entwickler des beliebten Crossy Road auf Apples September-Keynote bewiesen (Minute 70). Verschwiegen wurde dabei allerdings, dass zusätzlich zum Apple TV ein iOS-Gerät erforderlich ist, auf dem Crossy Road ebenfalls läuft. Apple TV und iOS-Device müssen sich außerdem im identischen WLAN befinden. In meinem Test kam trotz zahlreicher Versuche jedoch keine Verbindung zustande, und ich scheine nicht der einzige Betroffene zu sein. Wenn Mehrspieler-Partien derart bedienerunfreundlich geraten, wird aus Spaß schnell Frust. Aber warten wir ab ob andere Entwickler es besser hinbekommen.

Zu meinem Pech unterlag ich dem Irrtum, dass man an das neue Apple TV mehrere Siri-Remotes anschließen könnte, denn schließlich ist die Fernbedienung auch ein Controller, inklusive Touch-Feld, Bewegungssensor und Gyroskop. Diese Vorstellung schien übrigens auch der Verkäufer im Apple Store zu haben, bei dem ich die Set-Top-Box mitsamt einer zusätzlichen Siri-Remote und zwei überteuerten Handgelenkschlaufen bezahlte. „Ah, Du willst das Gerät also als Spielkonsole nutzen. Ich freue mich auch schon drauf endlich loszulegen.“ Leider dokumentiert Apple nirgends wie viele Controller oder Fernbedienungen man überhaupt anschließen kann. Aus Entwickler-Kreisen hört man, dass zwei MFi-zertifizierte Drittanbieter-Controller wie zum Beispiel der Steelseries Nimbus, und zusätzlich eine Siri-Remote angeschlossen werden können. Es dürfen also maximal 3 Personen zur gleichen Zeit am Apple TV zocken. Vorausgesetzt natürlich, es erscheinen entsprechende Spiele. Die fehlen nämlich bisher.

Halbe Sachen

Letzteres gilt auch für die vorinstallierten Anwendungen und Kanäle, welche man von der 1. bis 3. Generation des Apple TV kennt. Selbst Youtube muss man erst händisch nachinstallieren. Apropos nachinstallieren: In meinem Test ist es mehrfach vorgekommen, dass heruntergeladene Spiele, wie zum Beispiel Oceanhorn oder Asphalt 8, nach Beendigung des Downloads noch lange nicht einsatzbereit waren. Nach dem ersten App-Start wurden stattdessen weitere Daten aus dem Internet gesaugt. Da Asphalt 8 die zusätzliche Download-Dauer auf über 3 Stunden schätzte, musste ich den Vorgang abbrechen. Auch Oceanhorn stellte meine Geduld mit einer unerwarteten Wartezeit von gut 30 Minuten auf die Probe, und das obwohl meine heimische Internetverbindung mit real gemessenen 72-75 Mbit/s alles andere als langsam ist. Im App-Hintergrund hakt es also noch gewaltig. Bleibt zu hoffen, dass dies lediglich mit dem Ansturm aufs neue Apple TV zusammen hängt.

Siri als Alpha-Software

Laut Apple ist es vor allem Siri, welche die Bedienung der schwarzen TV-Kiste erleichtern soll. Bisher bleibt die Sprachassistentin allerdings weit hinter ihren Möglichkeiten zurück. So kann Siri beispielsweise nicht in Apple Music suchen, obwohl der Audio-Streaming-Dienst auf dem Apple TV ansonsten eine gute Figur macht. Auch für den App Store und Youtube bleibt Siri blind. Eine Diktierfunktion gibt es nicht. Man muss tatsächlich jeden einzelnen Buchstaben des Suchbegriffs per Fernbedienung eingeben, was geradezu antiquiert wirkt. Ein Sprach-Feedback, sowie der typische Siri-Humor, den man vom iPhone und iPad kennt, fehlen ebenfalls. Damit ist Siri auf einem Entwicklungsstand der niedriger anzusetzen ist als die bemitleidenswerte Beta-Version welche Apple vor 4 Jahren mit dem iPhone 4s auslieferte. Warum die Kalifornier solch einen unfertigen Mist ausliefern, und gleichzeitig davon überzeugt sind ein tolles Nutzererlebnis zu bieten, ist mir ein Rätsel.

„Under Construction“

Das sind aber noch lange nicht alle Baustellen. Absurderweise funktioniert Apples Remote-App noch nicht mit dem Apple TV 4. Dies ist besonders während der Einrichtungsphase nervig, denn das Eingeben von E-Mail-Adressen und WLAN-Passwörtern macht mit der mitgelieferten Fernbedienung keinen Spaß. Mit Bluetooth-Tastaturen verweigert die TV-Box ebenfalls die Zusammenarbeit, selbst wenn sie von Apple stammen. Die Ersteinrichtung kann jedoch mit iPhone-Unterstützung erfolgen, indem man Bluetooth aktiviert und das Smartphone ganz dicht ans Apple TV hält. Der Einrichtungsassistent versagte allerdings bei mir, nachdem ich den Vorgang unterbrechen musste. iPhone und Apple TV wollten danach aus ungeklärten Gründen nicht mehr miteinander sprechen.

Fazit

Wer derzeit noch abwarten möchte wie sich das neue Apple TV in den nächsten Wochen schlägt, macht definitiv nichts falsch. Aktuell gibt es noch zu viele Baustellen um von einem „Next Big Thing“ zu sprechen. Auch die Preisgestaltung stößt mir persönlich sauer auf. Hätte Apple bei einem Betrag von 229 Euro (64 GB-Version) nicht wenigstens die Handgelenkschlaufe für die Fernbedienung beilegen können? Stattdessen muss man 15 Euro zusätzlich zahlen, wenn man verhindern will dass die 89 Euro teure Siri-Remote bei hektischen Bewegungseingaben durch die Gegend fliegt.

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1 Comment

  • Micha 9. November 2015 at 12:42

    Ich bin was die Neuerscheinungen an geht so frustriert. Ich bin kein Apple Nörgler ganz sicher nicht. Ich liebe Apple und die Geräte von Apple sehr. Ich pflege und hege meine Lampe (iMac) nicht nur weil das mein Einstieg in die AppleWelt war, sondern weil der einfach sexy ist. So wie alles was dann für mich von Apple kam. Mehrere iMac´s, MacBooks, iPods, iPads…. Was mich begeistert war, dass es einfach ging. Anschalten und es ging. Schnell innovativ und sexy. Das war für mich der Inbegriff von Apple. Bei den Macs war es einfach auch die Software, die ein verzücken und ein glückliches Lächeln in mein Gesicht gezaubert hat. iLife und iWorks waren einfach nur genial. Ich habe mit iDVD dafür gesorgt dass alle im Freundes und Verwandtenkreis unglaublich neidisch worden. Mit iMovie war ich schon fast ein Oscar verdächtig Kinofilmmacher. iTunes war unschlagbar. Naja ihr merkt schon, eins fügte sich zum anderem in der kleinen Apple Welt und ich war hin und weg.

    Das ändert sich leider nun zu sehnst. Viele Dinge hat man als Apple Nutzer hingenommen. So wurden einfach toller Programme nicht weiter entwickelt und sogar eingestellt. iWeb, iDVD und co sind nur ein paar. MobileMe Gallery war einfach geil und sexy. iDisk war cool und ich hatte das Glück, das es zu bei mir ohne Probleme klappte. War so wie Dropbox. Nun so ist und war Apple und in der Regel kamen tolle neu Dinge an die Stelle der abstellten tollen und leibgewonnen Sachen.

    Das ist nur leider vorbei…
    iPhoto und Aperture wurde abgelöst von FotoApp:
    Da kann ich nur sagen, peinlich entsetzlich und unglaublich. Wer zB seine Privaten Bilder mit iPhoto verwaltet hat, hat es so gemacht, das man im Urlaub und diese Ereignis beschriftet hat mit zB Urlaub Ibiza 09. Die Bilder, auf denen man nackt am Strand sonnte, hat man einfach ausgeblendet und alles war toll. Man konnte dann auch eine tolle Diashow starten ohne einen Gedanken an die ausgeblendeten Bilder zu verschwenden. iPhoto gab es auch auf iOS Geräten und ich hab es mir sogar gekauft. Später war es bei dem Kauf von iOS Geräten on Bord. Hier arbeitet alles wie immer Hand in Hand. Dann kam Foto auf iOS und dann auf OSx. Damit kamen Baustellen Baustellen und Baustellen. Wer jetzt in der Timeline Bilder ausblendet, findet sie immer noch in den Alben ganz offen und kein Stück ausgeblendet. Nur zeigt man seine Bilder in der Regel den Nachbarn und co aus den Alben raus und nicht aus der gesamten Timeline. Benutzt man dann auch noch die iCloud, so zahlt man ca. 3€ im Monat für 200GB. Ach ja es geht auch nicht reibungslos und schnell ist alles andere. Amazon und Flicker bekommen das sehr viel besser und günstiger hin.

    iWorks ist nun neu und einfach nur schlecht…
    Mit Pages zB hatte Apple ein Program, das einfach, mit wenig schnick schnack auskam und tolle Ergebnisse erzielte. Bis ja bis die Version nach 09 auf dem Markt kam und damit auch viele sehr viele Funktionen verschwanden. Seit 2013 ist iWorks auch in iCloud.com als Beta eingegangen und erst seit ganz ganz kurzer Zeit aus dem Beta stadium raus. Nun ist es kaum noch ein echtes Program.

    iTunes immer super cool und nun…
    es ist aufgebläht und niemanden kann ich das noch erklären. Alle Normaluser gucken mich mir großen Augen an wenn ich erkläre wo sie was finden. Aber auch die einfachsten Dinge gehen nicht ohne Probleme. Ein Beispiel: alle unsere iOS Geräte werden mittels Backup bei iTunes gesichert. Kommt einer nach Hause und steckt sein iPhone an Strom an, sichert unser iMac über WLAN das iPhone. Weil wenn man ein paar iOS Geräte für sehr sehr sehr viel Geld kauft, bekommt man dennoch nur 5GB iCloud Speicher und das reicht dann nicht aus um mehrere Geräte zu sicheren. Also alles über iTunes. Wenn aber Person A ein App update durchführt, dann Zuhause automatisch ein Backup durchlebt, wird diese App gesichert mit der Apple ID der Person A. Hat Person B das selbe App, macht ein update, kommt nach Hause und macht auch automatisch ein Backup, so ist dieses App mit der Apple ID von B belegt. Kommt dann eine App Aktualisierung raus, so braucht A die Zugangsdaten von B. Das will man nun ja nicht. Immerhin kann man dann auch schön alle Mails und co der Person abrufen.

    AppleWatch…
    AppleTv…
    3D touch…
    AppelMusic…
    iCloud…
    Airdrop…
    Siri…
    Karten…
    ….

    Apple was ist los? Ihr habt mehr Baustellen als die Autobahnen in Deutschland. Es gibt kein einziges Produkt oder Software, die das macht was ihr sagt was sie machen soll.

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