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iPhone 6s: Samsung-Chip schuld an schlechter Akkulaufzeit?

Würde es sich um ein menschliches Paar handeln, müsste man die Beziehung zwischen Apple und Samsung wohl als „kompliziert“ beschreiben. Die beiden Mega-Konzerne stehen seit Jahren im Smartphone- und Tablet-Bereich in direkter Konkurrenz zueinander, sind aber auch voneinander abhängig. So fertigt Samsung einen Großteil von Apples iPhone- und iPad-Chips, während Apple zu Samsungs größten Kunden zählt. Das ohnehin zwiespältige Verhältnis könnte nun einen weiteren Dämpfer erhalten, denn derzeit bahnt sich ein „Chipgate“ an. Mit der Einführung des A8-Chips, der beispielsweise im iPhone 6 steckt, tauschte Apple seinen langjährigen Lieferanten Samsung gegen den taiwanischen Halbleiterhersteller TSMC aus. Mit dem A9 wendet sich das Blatt jedoch wieder zu Gunsten der Koreaner, denn Apple lässt das Herz des iPhone 6s und 6s Plus sowohl vom Erzfeind fertigen, als auch von TSMC. Über die Gründe von Apples Zwei-Lieferanten-Strategie kann nur spekuliert werden. Das Resultat sind allerdings zwei A9-Varianten, die sich sowohl im Fertigungsprozess als auch bei den Leistungsdaten unterscheiden. Während Samsung den A9 im 14-Nanometer-Prozess fertigt, rollen die Chips bei TSMC mit einer Strukturbreite von 16 Nanometer vom Band.

Normalerweise bedeutet eine kleinere Strukturbreite, dass der Chip weniger Energie verbraucht, da er mit einer geringeren Spannung betrieben werden kann. Gleichzeitig sinkt die Wärmeabgabe so dass der Halbleiterhersteller die Leistung seines Chips erhöhen kann, ohne eine Überhitzung befürchten zu müssen. Anhand der Strukturbreite müsste man nun also annehmen, dass der von Samsung gefertigte A9 akkuschonender arbeiten würde. Chinesische Blogger wollen jedoch herausgefunden haben, dass das Gegenteil der Fall ist.

Die Kollegen haben zwei iPhone 6s in einem Benchmark gegeneinander antreten lassen. Das erste Gerät war mit einem TSMC-Chip ausgestattet, das zweite mit dem Samsung-Gegenstück. Beide Geräte waren zu 100% aufgeladen. Der Benchmark wurde insgesamt zwölf Mal durchgeführt. Nach den zwölf Durchläufen stellten die Blogger fest, dass die Akkuanzeige des TSMC-iPhones auf 77% gesunken war, während der Batteriestand des Samsung-Gerätes nur noch 71% anzeigte. Die Kollegen schlussfolgerten, dass der von Samsung gefertigte A9 einen höheren Stromverbrauch aufweist. Zusätzlich wurde nach dem Belastungstest die Temperatur der Rückseite der beiden iPhones gemessen. Das Samsung-Gerät hatte sich auf 40,5 °C erhitzt, während das TSMC-iPhone rund 3 °C kühler war. Dies ist ein weiteres Indiz dafür, dass der TSMC-Chip sparsamer arbeitet. Der taiwanische A9 rechnete sogar 1-2% schneller, was für die Praxis jedoch nicht relevant ist.

Nun sind Benchmarks alles andere als ein brauchbares Alltags-Szenario. Aktuell häufen sich jedoch die Wortmeldungen von iPhone 6s-Besitzern mit Samsung-Chips, die eine vergleichsweise kurze Akkulaufzeit um die 6 Stunden ermittelt haben wollen. 6s-iPhones mit TSMC-Chip sollen dagegen 1-2 Stunden länger durchhalten. Ob daran wirklich etwas dran ist, werden die nächsten Tage zeigen. Die Messdaten der Chinesen sind bisher nicht überprüft worden und könnten auch auf einen minderwertigen Akku hindeuten. Für ein „Chipgate“ ist es also noch viel zu früh.

ChipgateOb in eurem iPhone 6s / 6s Plus ein A9 von Samsung oder TSCM verbaut ist, könnt ihr mit dieser kostenlosen App überprüfen. Die Modellnummern N66AP und N71AP stehen für Samsung. N66MAP und N71MAP bezeichnen Chips von TSMC.

Anspruch auf ein Ersatzgerät habt ihr laut Apple-Garantie übrigens nicht, denn der Hersteller garantiert keine Mindest-Akkulaufzeit. Wer also verunsichert ist, muss von Apples 14tägigem Rückgaberecht Gebrauch machen, oder sich an seinen Mobilfunkanbieter wenden, falls das Gerät zusammen mit einem Vertrag erworben wurde.

[UPDATE] Inzwischen hat Apple gegenüber Techcrunch bestätigt, dass die Samsung-Chips mehr Energie verbrauchen. Der daraus resultierende Akkulaufzeit-Verlust soll unter realen Bedingungen aber nur bei 2-3% liegen. Apple kritisiert außerdem, dass Akku-Benchmarks, wie sie beispielsweise von der App Geekbench 3 angeboten werden, den Prozessor  über Stunden auf Vollast laufen lassen würden, was laut Apple keinem realitätsnahen Szenario entsprechen würde.

Nach meiner Auffassung ist dies aber nur zur Hälfte richtig. Spielt nämlich jemand am iPhone längere Zeit 3D-Spiele, wird der Prozessor sehr wohl bis zu seiner Leistungsgrenze ausgelastet. Dann beträgt der Akkulaufzeit-Unterschied nicht mehr 2-3%, sondern über 20%.  [/UPDATE]

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