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BeoPlay H8: Ein Bluetooth-Kopfhörer der polarisiert

B&O PLAY (ein Tochterunternehmen von Bang & Olufsen) ist ein Name den Klangliebhaber mit einer gewissen Ehrfurcht aussprechen. Der dänische Unterhaltungselektronik-Hersteller gilt als eine der Top-Marken wenn es um Audiosysteme geht, sowohl in Sachen Qualität, als auch beim Preis. Anfang 2015 hat sich B&O PLAY an ein schwieriges Aufgabenfeld herangetraut: Bluetooth-Kopfhörer.

Warum es nicht so einfach ist gut klingende Bluetooth-Kopfhörer zu finden, und warum ich bisher kabelgebundenen Varianten den Vorzug gab, könnt ihr hier nachlesen. Der BeoPlay H8 hat meine Einstellung jedoch grundlegend geändert. Das liegt vor allem am hervorragenden Klang den der in den Farben Gray Hazel und Argilla Bright erhältliche Hörer von sich gibt, zumindest so lange er mit einem iOS-Gerät gekoppelt ist. An meinem MacBook ist der H8 dagegen unbenutzbar, es sei denn man schließt das mitgelieferte Klinkenkabel an. Grund sind die ständigen Ton-Aussetzer, welche sogar in einem regelmäßigen Abbruch der Bluetooth-Verbindung resultieren. Das Problem scheint bei Mac-Nutzern weit verbreitet zu sein, denn eine Google-Suche förderte einige Betroffene zu Tage. Wer für das Desaster die Schuld trägt, ist nicht ganz klar, denn mit Bluetooth-Adaptern wie zum Beispiel dem Sennheiser BTD 500 USB soll es die genannten Probleme angeblich nicht geben.

Wenn ihr also vor allem nach einem Bluetooth-Kopfhörer für euren Mac sucht, macht um den BeoPlay H8 einen großen Bogen. Für iPhone, iPad und iPod touch ist er dagegen bestens geeignet, denn der H8 unterstützt Apples AAC-Codec. Musik die euer iOS-Gerät an den Kopfhörer überträgt wird daher nicht (wie sonst leider üblich) per SBC komprimiert, sondern unverändert übertragen. Das Ergebnis ist ein hervorragend ausgewogener Klang. Dass B&O PLAY (dem aktuellen Trend folgend) den Bass leicht angehoben hat, ist zu verschmerzen. Ton-Aussetzer gibt es auch im iPhone-Betrieb, doch sie sind sehr selten. Ihre Anzahl nimmt jedoch dramatisch zu, wenn der Abstand zwischen BeoPlay H8 und iOS-Gerät  mehr als 5 Meter beträgt, oder die Bluetooth-Verbindung Wände durchdringen muss.

Das Audio-Gadget hat aber noch viel mehr auf dem Kasten. In der linken und rechten Hörmuschel sitzt jeweils ein Mikrofon, welches Umgebungsgeräusche aufzeichnet. Der H8 erzeugt daraus Antischall und löscht so Umgebungslärm akustisch aus, bevor er auf euer Ohr trifft. Diese allgemein als Active Noise Canceling (ANC) bekannte Technik funktioniert bei gleichmäßigem Krach am besten (z. B. Fahrzeuglärm in Bus, Bahn und Flugzeug). Noise Canceling erfordert Energie, welche sich der H8 aus seinem austauschbaren Akku zieht. Ist dieser nach 14 Stunden leer (Herstellerangabe), kann er über eine Gehäuseklappe entfernt und gegen einen Ersatzakku gewechselt werden. Letzterer kostet allerdings stolze 44 Euro. Ohne Noise Canceling soll der Hörer 2 Stunden länger durchhalten. Schließt man das mitgelieferte Klinkenkabel an, hört also ohne Bluetooth, steht ANC sogar für eine Dauer von 35 Stunden zur Verfügung. Ist die Batterie leer, kann man natürlich auch per Kabel weiter hören. Warum B & O die Klinkenstecker-Kontakte nicht wenigstens vergoldet hat, ist mir bei einem Verkaufspreis von 500 Euro allerdings ein Rätsel.

Obwohl On-Ear-Kopfhörer den Ruf haben mit der Zeit unangenehm zu drücken, konnte ich nichts dergleichen beim H8 feststellen. Die Echtleder-Polster sind so weich, dass stundenlanges Tragen kein Problem darstellt. Als (Sonnen)Brillenträger sieht es da etwas anders aus. Nach 1-2 Stunden kann es schon mal am Ohr zwicken und man muss die Kopfhörer einige Minuten abnehmen. Für den Transport werden die Hörmuscheln um 90° gedreht, so dass der Kopfhörer weniger Platz in der mitgelieferten Tragetasche einnimmt.

Das Kopfband wirkt äußerst robust, ist außen ebenfalls mit Leder bespannt und verfügt auf der Innenseite über vier weiche Schaumstoff-Polster, die von einem robusten Kunstfaser-Gewebe überdeckt werden. Der am rechten Hörer angebrachte Plastik-Schalter, welcher wahlweise nur ANC oder auch Bluetooth aktiviert, wirkt dagegen nicht gerade hochwertig. In kann mir gut vorstellen, dass sich diese Komponente nach ein paar Jahren problemloser Nutzung als Schwachstelle herausstellen wird.

Bedient wird der Hörer an der rechten Aluminium-Gehäuseabdeckung. Hier gibt es aber keine Tasten, sondern ein Touch-Feld, welches auf Gesten reagiert. Das klappt erstaunlich gut, wenn man zwei Grundregeln beachtet:

  1. Die Gesten müssen mit leichtem Druck ausgeführt werden, denn es handelt sich nicht um ein kapazitives Touch-Feld. Vielmehr sitzt der Sensor unter der Gehäuseabdeckung.
  2. Die Gesten dürften nicht zu langsam ausgeführt werden.

Hat man das verinnerlicht, kann man mit kreisendem Finger auf der Ohrmuschel die Lautstärke verändern, durch horizontales Wischen den nächsten oder vorherigen Titel anwählen, durch vertikales Wischen Noise Canceling aktivieren oder deaktivieren, oder durch Tippen die Wiedergabe stoppen bzw. fortsetzen. Wer versehentlich zweimal tippt, ruft den zuletzt angewählten Gesprächspartner an, denn der H8 besitzt auch Headset-Funktionen. Dieses Malheur passierte mir leider schon einige Male.

Fazit

Auf den Klang reduziert ist der BeoPlay H8 aktuell einer der besten Bluetooth-Kopfhörer auf dem Markt, wenn nicht sogar der beste.

Die Ton-Aussetzer am Mac trüben jedoch den ansonsten hervorragenden Eindruck und senken die Bereitschaft stolze 500 Euro für das gute Stück auszugeben. Egal ob nun Apple oder B&O PLAY an den Verbindungsunterbrechungen schuld ist, in dieser Preisklasse sind derartige Kinderkrankheiten schlicht inakzeptabel. Wer sich für den H8 interessiert wird ihn daher lieben oder hassen (oder beides).

Update: Der Kopfhörer-Hersteller arbeitet bereits an einer Lösung des Problems.

Update 2: Inzwischen gibt es ein Software-Update, welches das Problem in meinem Fall zwar reduzieren, aber noch nicht 100%ig lösen konnte. Außerdem rüstet es eine Kopfhörer-Batterieanzeige für iOS nach und verbessert die Leistung des Mikros bei Sprachanrufen.


Allein die Geschichte wie ich zu meinen BeoPlay H8 gekommen bin, wäre einen eigenen Artikel wert. Daher will ich abschließend kurz zusammenfassen was vor dem Test passiert ist.

Bei einer Investition von 500 Euro will man natürlich genau wissen was man kauft, daher war für mich ein Probehören unumgänglich. Ausgerüstet mit dem MacBook 12″ und dem iPhone 6 Plus suchte ich den B&O-Store in der Hamburger Innenstadt auf. Dort angekommen half mir ein freundlicher aber etwas übereifriger Verkäufer auch gleich weiter, holte das gute Stück aus einem abgeschlossenen Schrank und erklärte mir die Bedienung. Anschließend koppelte ich den H8 mit meinem iPhone und konnte in Ruhe lauschen. Als ich schließlich mein MacBook aus der Tasche zog um die Bluetooth-Verbindung auch am Laptop zu testen, war der Verkäufer ganz begeistert und tänzelte aufgeregt um Apples dünnsten Mac herum. „Das ist ja ein geiles Teil“ (oder so ähnlich) entfuhr es ihm, „den möchte ich mir auch kaufen“. Es fiel mir schwer ihn wieder zu beruhigen, damit ich endlich weiter hören konnte.

Die in der Review bereits erwähnten Tonaussetzer waren schnell hörbar, doch eine Lösung hatte der B&O-Experte nicht parat. Er schwieg lieber, wahrscheinlich wohlwissend dass es keine Lösung gibt. Da mir die Problematik schon vor dem Kauf bekannt war, stellten die Wiedergabe-Aussetzer kein K.O.-Kriterium dar. Ich wollte den H8 also kaufen, und zwar in der Farbe Gray Hazel. „Den haben wir nur noch in Argilla Bright da“ entfuhr es dem Verkäufer, „das letzte braune Modell wurde uns geklaut“. Auf Nachfrage wo man denn alternativ fündig werden könnte, rief der hilfsbereite B&O-Mitarbeiter im Schwester-Shop an, aber auch hier hatte man keine Geräte zu Hand. „Den bekommen Sie aktuell auch nicht woanders, ich rufe Sie aber gerne an sobald einer da ist“ kam schließlich als Vorschlag, den ich einen Tag vor meinem anstehenden Urlaub dankend ablehnte.

Letztlich fielt mir dann doch noch der Apple Store ein, den ich sofort aufsuchte. Und tatsächlich, im Regal lagen gut zehn H8 in Gray Hazel. Ende gut, alles gut.

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